2018 – thank you, next.

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Thoughts

Das Feuer im Kamin brodelt, das Holz knackt. Es knistert. Ich merke, wie ich darin zufrieden meinen Blick verliere. Nehme einen tiefen Schluck Wein während meine beste Freundin ganz aufgeregt den Countdown zählt. „3, 2, 1…frohes Neues“, schreit sie jubelnd, gibt mir eine fette Umarmung und knipst den Auslöser von der Polaroidkamera. Ich blicke aus dem Fenster unserer Airbnb Wohnung in Nürnberg. Keine Minute später klingelt mein Handy. Sein Gesicht erscheint. Ich kann mein Grinsen nicht unterdrücken, es wird immer breiter und breiter.
„Bebi, ich wünsche dir ein frohes neues Jahr! Nächstes Jahr will ich dich bei mir im Arm haben, dann verbringen wir Silvester zusammen.“

Verbringen wir nicht. Er ist nicht bei mir. Schon lange nicht mehr. Genauso wenig wie meine beste Freundin. Meinen Job habe ich auch nicht mehr. Und in wenigen Tagen ziehe ich um. Hätte ich damals gewusst, wie sehr sich mein Leben in den kommenden 365 Tagen verändert, hätte ich Panik bekommen. Momente noch bewusster aufgesaugt. Und ich wäre vor allem eines: Enttäuscht, aber auch nicht überrascht. 

Heute möchte ich dich auf meine kleine Reise durch mein Jahr 2018 nehmen und dir all das zeigen, was ich noch lernen musste.

In meinem turbulenten Jahr.

In meinem emotionalsten und herausforderndsten Jahr. 

Halte nicht an Freundschaften fest, nur weil man eine gemeinsame Geschichte hat.

Meine längste und engste Freundschaft ist 2018 zu Ende gegangen. Nach dreizehn Jahren. So traurig diese Tatsache auch war, dieser Schritt war einer, der mich am meisten befreit hat. Weil ich mir nach langer Zeit endlich selbst die Erlaubnis gegeben habe, mich von einer Freundschaft zu befreien, die mir oft ein schlechtes Gefühl gegeben hat. Mir unfassbar meine positive Energie geraubt hat. Doch ich hatte immer und immer wieder daran festgehalten. Vergeben. Zurückgesteckt. Ich habe daran festgehalten, weil man Dinge nicht einfach so wegschmeißt. Zumindest dann nicht, wenn man schon so viel miteinander erlebt hat – so viele gute und schlechten Zeiten.

Aber weißt du, ich glaube, dass sich niemand ändern kann, der kein Problem in seinen Handlungen sieht. Generell keine Fehler an sich sieht. Sich eben nicht selbst reflektieren kann. Menschen dann lieber so tun müssen, als wärst du diese eine schlechte Person. Natürlich. So muss man sich selbst ja auch nicht schuldig fühlen. Schuldig darüber, was man eben auch falsch und kaputt gemacht haben könnte.
Ich bin also an einem Punkt gekommen, an dem ich für mich entschieden habe, dass ich eine Freundschaft nicht weiterführen kann. Nicht, wenn man eine unterschiedliche Definition hat. Es ist okay, wenn man in jemanden das Gute sieht, aber wir sollten das nicht als Entschuldigung für jemanden sehen, der einen immer und immer wieder herunterzieht. Oder ständig nimmt und kaum etwas zurückgibt – außer es ist irgendwann zu seinem eigenen Vorteil.

Ich habe mich distanziert. Weil ich wusste, dass ich dann realisieren werde, wie sehr ich jemanden doch nicht verlieren möchte oder wie viel Frieden ich ohne diese Person habe. Und hell yes, ich hatte gefühlt mit dem Ende der Freundschaft den Frieden auf Erden. Ich behalte die gemeinsame Zeit positiv im Hinterkopf, vergebe und gehe einfach weiter. Diesmal wirklich.
Am Ende geht es nicht darum, wen du am längsten kennst oder mit wem du die meisten Erinnerungen teilst. Es geht darum, auf wen du zählen kannst, wenn es darauf ankommt und dich als guten Freund wertschätzt. Freunde kommen, Freunde gehen. Und wenn ich daran denke, welche neuen tollen Freunde ich im Gegenzug gewonnen habe, spüre ich einfach nur tiefste Dankbarkeit. Es ist nämlich wahr: Wenn sich eine Türe schließt, öffnet sich eine neue…

Danke 2018, dass ich folgendes über Freundschaften gelernt habe:

  • Keine Drama-Menschen mehr!
  • Gebe nicht zu viel auf Menschen, die nicht das Gleiche für dich tun würden.
  • Streiche Menschen aus deinem Leben, die nicht für dich da sind, wenn du sie wirklich am dringendsten brauchst.
  • Umgebe dich von niemanden, der dich lieber am Boden sehen möchte, damit er sich selbst besser fühlen kann.
  • Nicht jeder, der sich Freund nennt, kann dir von tiefstem Herzen Glück und Erfolg gönnen.
  • Und auch nicht jeder, der sich Freund nennt, teilt die gleichen Werte wie du.
  • Habe keine Menschen um dich herum, die nehmen und nicht zurückgeben.
  • Egal wie sehr man versucht und sich anstrengt, manche Menschen kümmern sich einfach nicht um dich. Manche würden niemals dasselbe für dich tun. 
  • Ein Teil deiner Freunde sind einfach nur für einen bestimmten Lebensabschnitt gedacht.

Du bist der Durchschnitt der 5 Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringt.
&
Love it, leave it or change it.

„Bis zum 31.03.2018 kündige ich meinen Job. Ist mir sowas von egal, ob ich bis dahin einen neue Stelle gefunden habe oder nicht. Im Notfall gehe ich eben erst einmal kellnern.“ 

Genau das waren meine Worte Anfang 2017, die ich zu meinen Eltern gesagt habe. Ja, 2017. Sie waren natürlich alles andere als erfreut. Wie das so eben mit Eltern ist, die nur das Beste wollen. Ich hatte einen sicheren Arbeitsplatz. Im öffentlichen Dienst. Mit unbefristetem Vertrag und gutem Einkommen.
Was ich allerdings von meinem Job gehalten habe? Ich habe ihn gehasst. Ich habe ihn einfach nur abgrundtief gehasst. Dort meine dunklen Tage gehabt. Auf meiner Arbeit war ich die traurigste Version von mir selbst. Obwohl, traurig ist vermutlich das falsche Wort. Ich war die unzufriedenste, unglücklichste und hasserfüllteste Version von mir. Nein, das ist leider nicht übertrieben und war für Außenstehende schwer nachzuvollziehen. Nachzuvollziehen, was denn an meinem Job so schlimm sei. Schließlich war ich ja bei einem großen namhaften Unternehmen. Klar, sie steckten ja auch nicht in meinem Körper. Sie waren nicht ich. Ich mit meinen Stärken, Zielen und Interessen, die seit fünf Jahren dort verdammt unglücklich ist. Ich bin regelrecht untergegangen. Eingegangen. Wurde jeden Tag das Gefühl nicht los, dass ich meine kostbare Lebenszeit verschwende. Weil ich etwas getan habe, was mich alles andere als erfüllt hatte. Mich mit so viel negativen Gefühlen belastet hatte.

Aber es waren nicht nur die Aufgaben an sich, die mir meine Freude genommen haben. Oder die Themen wie Tod, Krankheit und Geldnot, von denen ich ständig umgeben war. Nein, es war auch mein Umfeld. Die Führungskräfte, sowie Kollegen. Menschen, die dachten, sie wüssten mehr über mich als ich selbst. 

Und dann kam da jemand auf mich zu, der meinte: Du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, von denen du am meisten umgeben bist. Und dass ich dort tagsüber meine größte Zeit verbracht habe, brauche ich nicht erwähnen oder? 

Je länger ich dort gearbeitet und jeden Tag, den ich mehr auf der Arbeit verbracht habe, desto mehr weckte in mir der Ehrgeiz, dass ich meine Situation ändern muss. Weil ich sie ja ändern kann. Ich wollte nicht mehr zu den Menschen gehören, die sich tagtäglich laut über ihren Job beschweren und nichts dafür tun, um etwas daran zu ändern. Meine Deadline rückte also immer näher. Und je näher dieser Tag kam, desto mehr setzte ich mich noch mehr mit mir selbst auseinander. Wo also will ich hin und in welchem Job sehe ich mich? Mein größtes persönliches Ziel in 2018 war es, einfach eine Arbeit zu finden, dich mich erfüllt, mir Spaß macht und für die ich gerne morgens aufstehe. Schon bereits Ende letzten Jahres startete ich meinen Bewerbungsmarathon. Versuchte mich als Quereinsteigerin. Weil du weißt schon, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich vertraute meinem Bauchgefühl. Dass ich es irgendwie schaffen werde, ich gerade das Richtige mache. Manifestierte also jeden Tag diesen einen Gedanken:

„Ich muss aus diesem Unternehmen raus und etwas finden, das zu mir passt!“

Tja, was soll ich sagen? Ich habe es geschafft. Ich habe es wirklich geschafft. Auf den allerletzten Drücker. Am letzten Tag, an dem ich noch bis zum 31.03.2018 kündigen konnte, hatte ich meinen neuen und unterschriebenen Arbeitsvertrag in der Tasche: Als Social Media & Community Managerin. Mein Job, der perfekt zu mir passt. Nicht nur die Arbeit, sondern auch das Unternehmen, die Menschen, die Arbeitsbedingungen und der Umgang untereinander.

Danke 2018, dass ich folgendes über die Arbeit gelernt habe:

  • Das Umfeld ist verdammt wichtig. Nicht nur privat, sondern auch bei deinem Job. 
  • Es gibt nach einer Hölle ein Paradies.
  • Wenn man fest daran glaubt, etwas für sein Ziel unternimmt und sich mit sich selbst auseinander setzt, kann man den Job finden, der einen glücklich macht.
  • Es braucht Mut, in seine Stärken und Interessen zu vertrauen.
  • Man hat sein Glück selbst in der Hand und jeder kann Situationen verändern, wenn man will. Vielleicht nicht von heute auf morgen. Aber man kann es schaffen. Auch wenn es manchmal fünf Jahre dauern muss…
  • Liebe deine Arbeit. Falls nicht, dann ändere etwas und gehe.

 Trenne dich von Menschen, die an dir zweifeln und deinen Wert nicht erkennen.

Ja, nicht nur meine Freundschaft ist gebrochen, sondern auch genau zum gleichen Zeitpunkt wurde mein Herz gebrochen. Um ehrlich zu sein, schon ein bisschen vorher.
Denke ich an 2018, wird für immer das erste Wort sein, welches mir sofort einfällt: Liebeskummer. Und den hatte ich. Habe ich. Verdammt großen sogar. Mein Herz wurde gebrochen. So unfassbar gebrochen; in tausend kleine Teile.
Nicht nur, weil eine Person nicht mehr in meinem Leben ist oder ich ihn vermisse.
Nicht nur, weil die Person mein Vertrauen mehrfach missbraucht hat, mich angelogen hat.
Nein. Vor allem, weil diese eine Person Wunden in mir aufgerissen hat, die so tief steckten, dass ich nicht einmal selbst wusste, dass sie existierten. Ich jemanden mein zerbrechliches Herz anvertraut habe, dem es am Ende des Tages einfach so vollkommen scheißegal war. Eiskalt zu mir war. Abgeklärt. Ohne Rücksicht auf meine Gefühle.

Dieses Jahr war ein Kampf. Ich musste; sollte mich irgendwie beweisen. Dass ich gut genug bin. Ich es eben wert bin. Ein liebevoller Mensch bin. Vielleicht kannst du es dir ja vorstellen, das hat seine Spuren hinterlassen! Denn ich gebe zu, ich kämpfe immer noch. Vermutlich weil ich tief in mir drinnen wünsche, dass die Person wieder zurückkommt und mich einfach liebt. Dinge wieder so werden, wie sie anfangs waren.
Wow, erschreckend. Wie sehr ein liebendes Herz vergeben und wie viel es vergessen würde, nicht wahr? Natürlich weiß ich, dass das falsch ist. Irgendwie zumindest. Aber was ist schon richtig?

Bei diesem Schritt, dieser Trennung hat nur mein Verstand gehandelt. Weil in meinem Herz das alles leider noch nicht so wirklich ankommt. Bei dieser Trennung, da hat zu keiner einzig beschissenen Sekunde mein Herz gehandelt.

Ich versuche mich selbst immer wieder daran zu erinnern, dass ich niemanden mehr an meiner Seite haben möchte, der meinen Wert nicht selbst erkennt. Und vor allem daran: Wenn dich jemand zu schätzen weiß, wird er sich wohl niemals in eine Position begeben, dich zu verlieren, oder? Also wenn jemand sich nicht die Mühe macht, weiter Teil deines Lebens zu bleiben, dann sagt das alles aus. Er ist es nicht wert. Wie gesagt, mein Verstand, ja der weiß das. 

Ich kam irgendwann – zum Glück – an diesen Punkt, als ich gemerkt habe, dass mich diese Zweifel und Misstrauen mehr verletzen als glücklich machen. Und vermutlich manche Menschen einfach nur eine Probe für das echte große Ding sind, welches man selbst einfach nur noch nicht sieht. 

Also höre ich auf. Auf von ihm zu konsumieren. Die Wunde – ihn – nicht mehr anzufassen, damit sie heilen kann. Meine Zeit nicht mehr damit zu verschwenden, jemanden auszuchecken und zu warten, ob er zurückkommt. Mich bewusst auf Dinge zu fokussieren, die mir verdammt nochmal gut tun. Mich auf mich selbst zu konzentrieren. Nicht mehr festzuhalten, sondern loszulassen. Weiterzumachen.

Danke 2018, dass ich folgendes über die Liebe gelernt habe:

  • Sobald du deinen Wert jemanden beweisen musst, sollte man gehen.
  • Keiner sollte um die Aufmerksamkeit von jemanden kämpfen müssen. Oder um dessen Liebe.
  • Verschwende deine Energie nicht damit, an etwas festzuhalten, das einfach nicht mehr da ist. Oder dir mehr Schaden zufügt als Freude bereitet.
  • Habe niemanden an deiner Seite, der ständig an dir als Person zweifelt.
  • Trennungen tun verdammt weh, aber jemanden zu verlieren, der einen nicht wertschätzt, ist ein Gewinn. Kein Verlust!
  • Lass ihn jemand anderen finden, um herauszufinden, was er will.
  • Manchmal ist man ohne die Person, die man sich am meisten zurückwünscht, am besten dran.
  • Es kann verdammt großes Glück sein, nicht das zu bekommen, was man sich so sehr wünscht. Weil einfach so viel Größeres & Besseres auf einen wartet.

Ich bin gut genug.

Setze dich selbst immer an oberste Stelle – egal bei welcher Entscheidung!

Meine Trennung dieses Jahr hat also Wunden in mir aufgerissen, die mich so sehr haben zweifeln lassen. Zweifel an mir.
Ich bin nicht gut genug.
Ich bin austauschbar.
Ich bin es nicht wert. 

Ich hatte mich selbst verloren. Weil ich jemand anderen zu sehr geliebt und dabei vergessen habe, dass ich selbst auch wertvoll bin. Besonders bin. Weil ich in der Vergangenheit anderen Menschen immer die Macht gegeben habe, an mir zweifeln zu dürfen.
Nun versuche ich zu lernen, mir selbst dafür zu vergeben. Dass ich weniger akzeptiert habe als ich es (glaube ich) verdient habe. Don’t judge me. Ich weiß, vieles kommt in meinem Herzen einfach noch nicht so wirklich an. Vieles verstehe ich zwar, aber fühle es einfach noch nicht. Und daran muss ich arbeiten. Die Liebe zu mir selbst finden. Weil Selbstliebe die einzige Liebe ist, die einen heilen kann. Uns bessere Entscheidungen treffen lässt. Auf uns aufpasst.

Danke 2018, dass ich folgendes über mein Ich gelernt habe:

  • Ich bin noch verdammt weit entfernt von reiner Selbstliebe.
  • Selbstliebe ein langer Prozess und der Weg dahin ist nicht immer schön.
  • Man kann niemanden dazu bringen, dich zu lieben. Alles was man tun kann, ist jemand zu sein, den man lieben kann.
  • Sobald man seinen Wert erkennt, wird es härter, von Leuten weiterhin umgeben zu sein, die ihn nicht schätzen.
  • Man is niemals zu viel für jemanden, der nicht genug von einem bekommen kann.
  • Mache dir selbst den Gefallen und gehe, wenn jemand anfängt, dich nicht gut zu behandeln. 
  • Mit jedem Abschied erfährt man etwas mehr über sich selbst.
  • Es ist okay Menschen zu verlieren, solange du dich selbst nicht mehr verlierst.
  • Im Leben geht es um mehr als nur denjenigen zu finden, der dich will.
  • Im Leben geht es auch um mehr als traurig darüber zu sein, dass dich jemand nicht in seinem Leben haben will. Nutze die Zeit für dich, um dich selbst zu erkunden, kennenzulernen und lieben zu lernen. Du musst lernen, dich selbst mit Liebe zu füllen und dich nicht erst dann geliebt zu fühlen, wenn es jemand anderes für dich tut.
  • Werde deine eine ganz große Liebe. Romantisiere nicht das Leben, dass du ohne jemanden nicht leben könntest.

Alles, was dich deinen inneren Frieden kostet, ist zu teuer.

Ich habe einen frischen Start gebraucht. Manchmal braucht man den einfach. Diesen Neuanfang. Einen freien Kopf. Ich hatte dieses Jahr so sehr das Bedürfnis, einfach alles aufzuräumen und loszuwerden, was schief läuft. Um es dann besser zu machen. Ich habe Nummern gelöscht, meine Haare gefärbt, den Job gekündigt und bin alleine nach Griechenland gereist. Habe mich für eine Weile distanziert – auch von Social Media – um einiges für mich zu erkennen. Bin an einen Punkt in meinem Leben gekommen, an dem ich noch nie so sehr Frieden wollte wie jetzt. War so fertig mit Dingen, die mein Leben komplizierter gemacht haben. 

Dabei hat eine große Sache noch gefehlt: Meinen kleinen Wohnhort, meine Heimat zu verlassen. Ich hatte mich schon länger nicht mehr in meiner kleinen 1-Zimmer-Wohnung wohlgefühlt. Aber noch weniger in meiner Stadt. Musste raus. Raus aus meiner Kleinstadt. Streng genommen, ähnelt diese eher einem klischeehaften Dorf. Wäre Gossip Girl in Deutschland gedreht worden, dann auch vermutlich hier. Ja, nach all den Abschieden habe ich noch mehr diesen einen Schritt für mich gebraucht, den ich schon so lange im Hinterkopf hatte. Um alte Erinnerungen hinter mir zu lassen und dort weiterzumachen, wo auch meine neue Arbeitsstelle sich befindet. Und auch wenn mich nicht hunderte Kilometer von meiner kleinen Heimat trennen, diese kurze Entfernung und Distanz sind genau das, was ich noch gebraucht habe. Um weiter an mir wachsen zu können, weißt du? Um loszulassen. Komplett neu anzufangen. In meiner neuen wunderschönen Wohnung, die ich mit ganz viel Liebe einrichte.

Denn kein Restaurant wird mich je glücklicher machen als ein Dinner auf dem Sofa. Keine Party wird mich mehr erfüllen als das gemütliches Zusammensein im Eigenheim mit Freunden. Keiner meiner Blogbeiträge werden mehr Ich sein, als die, die nachts im Bett geschrieben werden, während die ganze Stadt schläft. Mein Zuhause. Mein sicherer Platz. Mein Rückzugsort.

Du heilst, indem du deinen Verletzungen einen tieferen Sinn gibst.

Die meiste Zeit war ich in 2018 nicht okay. Um ehrlich zu sein, ich bin immer noch nicht okay. Aber das ist menschlich. Das gehört dazu. Weil das Leben eben nicht jeden Tag eine Glücksfahrt sein kann. Nicht immer aus „good vibes“ only besteht. Natürlich. Es ist nicht schön, ein gebrochenes Herz oder verletzte Gefühle zu haben, aber das passiert nun eben mal. Solche Achterbahnfahrten sind irgendwie auch wichtig. Du weißt schon, um die guten Phasen wieder mehr genießen zu können.

2018, das ist größtenteils ein trauriges Kapitel in meiner eigenen Geschichte. Aber ich passe eben auf mich auf. Darauf, dass es kein ganzes Buch wird!

Diese ganzen Veränderungen, welche nahezu fast alle (!) zeitgleich passiert sind, waren zwar notwendig und gut, aber auch Gift für mich. Weil mich das gestresst hat. Ich an eine emotionale Grenze gekommen bin. Habe mich ungeliebt, nicht wertvoll und gebrochen gefühlt. Habe nächtelang geweint bis keine Tränen mehr gekommen sind. Weil einfach alles raus musste. Weil man eben nicht die ganze Zeit stark sein kann.

Und wie das so eben mit ist, wenn die mentale Gesundheit nicht mehr im Einklang ist: Ich habe eine Nesselsucht bekommen. Eine ziemlich hartnäckige sogar. Meine Haut im Gesicht ist wieder schlechter geworden, habe ungewollt einige Kilos abgenommen und tagsüber meine Energie mit Kaffee stärken müssen, da ich ansonsten vor lauter Müdig- und Kraftlosigkeit den Tag nicht überstanden hätte.

Ich glaube, wenn man Dinge verarbeiten muss, gibt es verschiedene Phasen, die zu bewältigen sind. Gewisse Schritte, wie man mit Situationen wieder klarkommen kann. Doch das braucht Zeit.
Und gerade bin ich an dem Punkt, an dem ich versuche, meine Einstellung zu ändern: Von „ich bin hilflos und voller Trauer“ zu „ich wachse und heile“. Du kannst dich nämlich am Ende des Tages entweder darauf konzentrieren, was dich fertig macht oder auf das was dich zusammenhält.

Ich kam nicht nur einmal an diesen Punkt, an dem ich mich gefragt habe, wieso Dinge so gekommen sind, wie sie gekommen sind. Ich kurz den Glauben daran verloren habe, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Und es hat ein bisschen gedauert, bis ich verstanden habe, dass das Leben uns damit etwas sagen möchte. Gerade diese tiefen Verletzungen und Enttäuschungen sind es, die unser Herz am weitesten öffnen. Weil sie uns zeigen, wie sehr wir wirklich in der Lage sind zu lieben, habe ich Recht? Uns immer wieder neu zu verlieben. Ganz egal, wie groß der Schmerz auch war. Ich meine, das ist nicht mein erster Liebeskummer. Habe ihn schon einmal überstanden und werde ihn auch wieder überstehen. Zugegeben, ich hoffe einfach nur, es war mein letzter.

Ich wollte heilen. Ich wusste, dass kein goldener Tag kommen wird, der mich plötzlich meinem Schmerz befreit und alles ist wieder vergessen. Alles ist wieder super. Nein, ich wusste, dass all das verarbeitet werden muss. Es mich ansonsten früher oder später wieder einholen wird.
Das mag easy klingen, aber ist für mich eine der herausforderndste Dinge, die ich dieses Jahr erlebt habe. Heilen muss gewollt sein. Und heilen ist nicht toll, aber die andere Seite ist unfassbar schön. Auch wenn ich auf dieser anderen Seite noch nicht ganz angekommen bin und immer noch versuche von Dingen zu heilen, über die ich mit keinem spreche, merke ich, wie ich mich so langsame wieder besser fühle. Ich versuche bei meinen gebrochenen Teilen Frieden zu finden. Abzuschließen. Zu vergeben und mein Herz weiterhin nicht zu verschließen.

Letztens kam jemand auf mich zu und meinte zu mir „ich hätte niemals im Leben daran gedacht, dass du schon so viel mit deinen jungen Jahren durchgemacht hast, das merkt man dir echt nicht an!“
Und das war der Moment, in dem ich realisiert habe, dass es nicht das ist, was dir passiert, sondern wie du damit umgehst.

Frage dich also nicht: „Warum zur Hölle ist mir das passiert?“, sondern ersetze es mit: „Was will das Leben mir damit sagen?“ – glaube mir, das kann zu deinem persönlichen Schlüsselmoment werden.

Danke 2018, dass ich folgendes über Verletzungen gelernt habe:

  • Akzeptiere, dass es okay ist, mal nicht okay zu sein.
  • Versuche in deinen dunklen Momenten, den Verletzungen einen Sinn zu geben: Warum war diese Erfahrung wertvoll? Was muss ich noch lernen? Wo muss ich noch wachsen? Warum war diese Erkenntnis so wichtig für mich?
  • Die mentale Gesundheit ist so verdammt wichtig. Man kann zwar zum Sport gehen, viel Wasser trinken und sich gesund ernähren, aber wenn man nicht mit dem ganzen Shit in seinem Herzen und Kopf umgehen kann, lebt man weiterhin ungesund.
  • Dein Schmerz bleibt nur weiterhin in deinem Leben, wenn du einer Erfahrung keine Bedeutung gibst. Sie für dich keinen Sinn macht.
  • Dein Chaos hat eine Nachricht für dich.
  • Deine Verletzbarkeit eine Aufgabe für dich, die du lösen musst.
  • Vertraue darauf, dass das Leben uns in Situationen steckt, damit wir an uns selbst wachsen. Schmerzen uns nicht zugefügt werden, damit wir bestraft werden, sondern um etwas zu lernen. Zu erkennen, wo wir eben noch nicht geheilt sind

2019.

Ich tausche den Kamin durch Kerzen aus. Die Airbnb Wohnung durch meine eigene. Vollgestellt mit unzähligen Umzugkartons. Dazwischen sitze irgendwo ich. Auf einer Decke. Mit gutem Essen und einem guten Buch. In wenigen Stunden beginnt das neue Jahr. 2019. 

Hätte ich vor genau einem Jahr gewusst, wie sehr sich mein Leben in den kommenden 365 Tagen verändert, hätte ich Panik bekommen. Gemeinsame Momente noch bewusster aufgesaugt. Und ich wäre vor allem eines: Stolz. Auf mich.
2018. Das Jahr, das mir am meisten die Augen geöffnet hat. Das Jahr, an dem ich mich getraut habe, mein Glück selbst in die Hand zu nehmen. Etwas zu verändern. Mein Leben so liebevoll wie möglich zu gestalten.

Es wurde für mich Zeit zu lernen, dass manche Menschen einfach nicht gut für mich sind. Egal wie sehr ich sie liebe. Ich jemanden verdiene, der mich wertschätzt. Weil meine Seele immer müder wird. Sie schon zu viele menschliche Enttäuschungen erleben musste.
Ich musste dieses Jahr auch mehr als alles andere lernen, wie ich wieder selbst klarkomme. Mit Veränderungen, Abschiede und Neuanfängen. Mir mir selbst als Person. Dass ich mich nicht dafür verurteilen darf, dass ich so viel fühle. So unfassbar intensiv fühle. Es mein persönlicher Schatz und nicht mein größter Feind ist.
Ich habe mal wieder Menschen verloren, von denen ich dachte, ich würde mit ihnen eine sehr lange Zeit in meinem Leben verbringen. Aber das ist nicht das Ende der Welt. Man kann ihnen das Gute wünschen, vergeben und weitergehen. 

Ich habe verstehen, dass man Dinge für sich tun muss, weil man selbst diese einzige Person ist, mit der man wirklich sein ganzes Leben verbringen wird. Und ich vertraue darauf, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Das Universum uns dahin steckt, wo wir noch wachsen müssen. Menschen sich ändern, damit du lernst, loszulassen. Dinge schief gehen, damit du zu schätzen weißt, wenn es gut läuft. Man einer Lüge glaubt, um zu lernen, nur sich selbst zu vertrauen und dass manchmal etwas Gutes auseinander brechen muss, damit etwas noch Schöneres zusammenkommen kann. Dass manche Dinge enden müssen, damit bessere passieren können.

Mit Tränen in den Augen schreibe ich nun diesen letzten Abschnitt. Ich lasse 2018 hinter mir und danke dir als Leser und Verfolger meines kleinen chaotischen Lebens, dass du da bist. Ich danke dir dafür, dass du dir die Zeit genommen hast, diesen Beitrag zu lesen.
Ich sende dir all meine Liebe. Vor allem an dich, wenn du auch gerade versuchst, von etwas zu heilen, worüber du dich nicht traust, zu sprechen. Es ist schön, dass es dich gibt. Du bist wundervoll. Und du bist gut genug. Du wirst heilen und wieder okay sein. Das verspreche ich dir!

Habe einen guten Rutsch ins neue Jahr, wir hören voneinander.
Ich drücke dich ganz fest.
Deine Janine

Eine Antwort

  1. Eva
    | Antworten

    Liebe Janine, vielen Dank für diese schönen, offenen und ehrlichen Worte.
    Mein 2018 war…. voller Enttäuschungen. Auch wenn es eine andere Art von Enttäuschungen war, so konnte ich mich in deinen Worten gut wiederfinden, hatte das Gefühl diese Zeilen haben geholfen den Verarbeitungsprozess in mir noch einmal neu zu entfachen. Als wären deine Worte das letzte Fünkchen, das die Glut wieder zum brennen bringt.
    Danke.
    2019 wartet auf dich, auf mich.
    Hab einen schönen Abend und lass es dir gut gehen.
    Liebe Grüße aus der Heimatstadt 🙂

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