Dreiundzwanzig – über Geburtstage und das Älterwerden

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Lifestyle Thoughts

Dreiundzwanzig. Ein wunderschönes Alter, oder? Heute ist mein Geburtstag. Ja, tatsächlich mein Dreiundzwanzigster.
Da so ein Geburtstag ja doch immer ein ganz guter Anlass ist zu quatschen, tue ich das heute einfach mal.
Ich habe mir nämlich die Fragen gestellt:
Bin ich jetzt in einem Alter, wo ich mir über das Älterwerden Gedanken machen sollte?
Und sind es nur die Geburtstage und Geschenke, die sich im Laufe der Jahre verändern oder bin ich es selbst?

Tadaaaa, Vorhang auf für einen emotional werdenden Geburstagspost!

dreiundzwanzig

90s Kid

Als Kind hatte ich spätestens 100 Tage vor meinem Geburtstag einen Countdown. Es wurden die Tage gezählt und ich hätte vor Vorfreude platzen können. Die Zeit verging damals einfach viel zu langsam! Täglich habe ich also auf meinem selbstgebastelten Kalender eine Zahl durchgestrichen und auf den großen Tag hin gefiebert. Meine Wunschliste an Geburtstagswünschen lag selbstverständlich schon lange im Voraus bei meiner Mama im Büro. Die Partyplanung für meinen Kindergeburtstag wurde in den Schulpausen heftig diskutiert, Freundinnen wurden ein- und wieder ausgeladen, Essenswünsche bei Mama abgegeben und ein Tänzchen für die Gäste wurde natürlich auch einstudiert. Topfschlagen. Leute, wir dürfen Topfschlagen nicht vergessen! Da ich leider schon immer im Winter (ach halt, November zählt ja streng genommen zum Herbst) Geburtstag habe, waren Verstecken, Fang-mich und Räuber & Gendarm leider raus. Aber als professionelle Partyplanerin war das natürlich kein Ding für den King. Da musste halt die Reise nach Jerusalem, Eierlauf und Mumien wickeln herhalten.
Ach ja, als 90er Kind kann man bei sowas schon mal kurz sentimental werden. Geburtstage als Kind waren toll, super besonders und DAS Highlight des Jahres!
Heute bin ich groß (naja, größer zumindest als mit 7, 8 oder 9 Jahren), erwachsen und würde nach fünf Minuten „Fangen“ vermutlich mit hochrotem Kopf, Schweiß und völlig aus der Puste auf dem Boden liegen.

 

„Was wünscht du dir zum Geburtstag?“

Klar, je älter man wird, desto mehr verändert sich auch das Gefühl des Geburtstages. Das fängt schon offensichtlich in der „Vorgeburtstagsstimmung“ an. Freunde und Familie kündigen sich mit der alles entscheidenden Frage bei dir an: „Hey, was wünscht du dir eigentlich zum Geburtstag?“ Ähh shit. Polly Pocket, Hula Hoop Reifen, Kassettenrekorder, einen Trip nach München, um Jimi Blue Ochsenknecht zu besuchen (das bleibt unkommentiert so stehen!) sind jetzt wohl vorbei…ja, früher wären mir bei dieser Frage gefühlt tausend Dinge eingefallen.

Und heute? Ich muss wirklich meine Gehirnzellen anstrengen, um zu überlegen, was ich mir denn so Materielles von meinen Liebsten wünschen könnte. Älterwerden. Der „Nachteil“ daran, dass man jetzt in einem Alter ist, wo man sich Dinge einfach selbst kaufen und gönnen kann. Also…wann war das letzte Mal, wo ich etwas gesehen habe, was mir gefallen hat und ich es aufgrund von Geldmangel oder Geiz nicht gekauft habe? Wow, Luxusprobleme. Hören wir an dieser Stelle lieber auf. Ja, mir ist tatsächlich kein einziger Wunsch eingefallen und meine Liebsten haben sich selbst was einfallen lassen „müssen“. Sorry not sorry hihi!

Kommen wir aber zum springenden Punkt. Geschenke sind toll. Es ist wirklich herzerwärmend zu sehen, wie sich andere Gedanken darüber machen, wie sie dir eine Freude bereiten können. Ich kann nicht sagen, dass ich mich über Materielles weniger freue wie damals als Kind. Mit dem Älterwerden haben sich allerdings die Werte geändert. Ich freue mich viel mehr über Kleinigkeiten, über Insider- und Spaßgeschenke. Persönlichere Geschenke. Das ist es, was ich goldwert finde. Es zählt nicht mehr: Je teurer oder größer die Geschenke, desto besser sind sie. Nein, das ist schon lange (nicht mehr) so.

Trotzdem und unabhängig davon wie schön es ist, Geschenke zu bekommen, hat sich vor allem eins verändert.
Ich bin jetzt dreiundzwanzig Jahre alt und zur obersten Geburtstagpriorität zählen diese nicht mehr. Was ich mir wirklich wünsche? Gesundheit, Glück, Liebe, gute Freunde – Dinge, die man sich nicht kaufen kann. Das wünsche ich mir. Man legt mit dem Alter seinen Wert auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Ja, klingt unglaublich emotional, kitschig und spießig. Aber das sind die Wünsche, die ich mir mittlerweile an meinem Geburtstag habe. Geburtstagskarten waren als Kind das wohl Uninteressanteste – und heute? Sie lassen mich sentimental werden und berühren mein Herz. Ich verzichte gerne auf Materielles und verbringe lieber Zeit mit den Menschen, die mir nahe stehen.

 

Bin ich jetzt alt?

Es wird Zeit für die Floskel über das Älterwerden: Dreiundzwanzig? Hatte ich nicht gerade erst Geburtstag? Haben wir tatsächlich schon wieder November? Wie schnell rennt bitte die Zeit?

Mimimimi, ja ich bin auch eine von denen, die sich das nicht nur an ihrer ominösen Geburtstagsstunde fragt. Irgendwie scheint das einfach zum Älterwerden dazuzugehören. Ich werde auch einfach nicht das Gefühl los, dass ich erst gestern betrunken auf meine Volljährigkeit angestoßen habe. Gut, vielleicht liegt das daran, dass ich  gestern wirklich betrunken war, wer weiß?! Nein, ohne Spaß jetzt…häää wo sind bitte die letzten 5 Jahre hin?

Dreiundzwanzig. Gestern im Club war ich plötzlich eine der Älteren. Ich betone nochmals…eine der Älteren! Bei Gespräche über blöde Lehrer, verhauene Klausuren oder Strafarbeiten bin ich plötzlich raus. Ich drücke nicht mehr die Schulbank, bin voll im Berufsleben angekommen, auf Wohnungssuche, muss nicht mehr bei Mama & Papa Geld anpumpen gehen oder sie um Erlaubnis fragen, wenn ich was tun möchte. Ja, das nennt man dann vermutlich erwachsen.

„Oh Gott du gehst jetzt auf die 30 zu!“

Na und? Ich hatte noch nie Angst vorm Älterwerden. Jedes Jahr werde ich um Erfahrungen reicher und diese möchte ich auch gar nicht missen. Jedes Jahr lerne ich dazu und jedes Jahr komme ich mir selbst ein Stückchen näher. Das ist toll!
Es ist menschlich mit dem Älterwerden Angst zu haben. Angst vor dem Versagen nichts Großartiges in seinem Leben kreiert zu haben und am Schluss mit verschwendeter Zeit da zustehen. Der Druck unserer Gesellschaft kann einem ziemlich schnell das Gefühl geben, die Zeit würde einem davonrennen und die Uhr immer schneller ticken. Mit 25 spätestens die Uni beenden, den Partner fürs Leben finden, heiraten, Haus bauen, Kinder kriegen,…uff. Da kann man schonmal schnell Panik bekommen. Lasse dir aber niemals von der Gesellschaft vorschreiben, was du zu tun hast oder wie du dein Leben gestaltest. Es gibt kein perfektes Alter. Kein perfektes Alter für ein Studium, Heiraten oder Kinder kriegen. Das Alter ist nur eine Zahl. Deine persönliche Einstellung und deine Lebensumstände sind das, was dich ausmachen. So wie die Instagram Follower nicht den Wert eines Menschen definieren, so wird es auch niemals dein Alter machen.
Das beste Lebensjahr ist das, in welchem du gerade lebst. Im Hier und Jetzt. Man sollte für das Älterwerden wirklich dankbar sein. Ich brauche an dieser Stelle nicht betonen, wie schnell das Leben vorbei sein kann, das weißt du selbst.

 

Das beste Lebensjahr meines Lebens

Dieses Jahr ist mein Geburtstag irgendwie besonders. Nicht, weil ich irgendetwas Außergewöhnliches geplant habe, ein großes Fest feiere oder an einem besonderen Ort bin. Nüchtern betrachtet ist mein diesjähriger Geburtstag sogar ziemlich langweilig, obwohl mir das Wort unspektakulär besser gefällt.
Ich kann das erste Mal aber an meinem Geburtstag behaupten, dass ich so richtig glücklich bin. Ok, ich muss korrigieren, das hört sich nicht richtig an: Ich kann das erste Mal behaupten, dass ich nicht nur am Geburtstag glücklich, sondern es auch die Tage, Wochen, Monate zuvor gewesen bin.

Das dreiundzwanzigste Lebensjahr war überwältigend!
Ich weiß noch ganz genau, vor einem Jahr, am 05. November 2015. Es war ein schöner Tag draußen, purer Sonnenschein. Nicht so wie heute – grau, regnerisch und kalt. Es war letztes Jahr allerdings kein schöner Geburtstag. Ich befand mich in meinem dreiwöchigen Lernurlaub, steckte mitten in meiner Prüfungsvorbereitung meiner verkürzten Ausbildung und habe bereut, geweint und verflucht. Mein Ausbildung verflucht. Unglücklich. Genau das war ich, vor genau einem Jahr.
Und heute? Dreiundzwanzig und zufrieden. Glücklich. Mit sich im Reinen zu sein ist einfach ein heftig gutes Gefühl. Ich habe verstanden, dass ich selbst dafür verantwortlich bin, wie es mir geht. Ich etwas verändern muss, wenn ich unzufrieden bin. Und es immer Dinge im Leben geben wird, die ich nicht steuern kann.
Was ich allerdings steuern kann ist meine Einstellung, meine Motivation und mein Lächeln. Man fühlt es sich gut an, reifer zu werden!

 

Dreiundzwanzig

Dreiundzwanzig ist ein wunderschönes Alter. Ich befinde mich in der Blüte meines Lebens, sagt man das nicht so? Geburtstage sind als Nicht Kind auch immer noch toll, nur irgendwie anders. Auf eine andere Art besonders. Nicht mehr so aufregend, weniger groß, weniger Topfschlagen und weniger Rubble Bubble. Das gehört wohl zum Älterwerden dazu. Ich würde zwar immer noch meiner Freundin Schlagsahne ins Gesicht sprühen, aber ich zerschneide bestimmt nicht mehr mit fetten Handschuhen Schokolade (das Spiel fand ich nämlich schon immer doof)! 

 

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Ich genieße jetzt mein Geburtstagsfrühstück! 🙂 Danke für die lieben Glückwünsche! <3

 

Vorhang zu, ich bin raus:

4 Antworten

  1. Sarah Müller
    | Antworten

    Mädel, ich feier dich wahnsinnig. Unter all den Bloggern wirkst du für mich wie ein frischer Wind in einem verstaubten Haus. Deine Einstellung ist ehrlich und realistisch. In der heutigen glitzernden Instagram Welt, findet man angefangen von „Super Foods“ bis hin zu „Secret Escapes“ alles was das Herz begehrt. Was allerdings fast nie zu finden ist – die Realität. Für mich war das Lesen deines Eintrags gerade ein kurzes entrinnen vom dauernden Sog der Social Media Welt – DANKE !!

    • Jani Isa
      | Antworten

      WOW! Tausend Dank für deine Worte, habe mich unfassbar gefreut, das zu lesen – wirklich! Ich danke dir! <3

  2. Ina Apple
    | Antworten

    Alles, alles Liebe zu deinem 23sten Geburtstag!!! Genieße deinen Tag!
    Liebe Grüße, Ina

    • Jani Isa
      | Antworten

      Vielen Dank Ina! <3

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