Generation Beziehungsunfähig: über das Dating und Spielchen spielen

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Lifestyle Thoughts

Lesezeit: 12min

Wir haben Sonntagabend. Und einer hat es tatsächlich geschafft. Geschafft, dass ich abends mit einer Flasche Wein bei meiner Freundin auf dem Balkon sitze und enttäuscht von mir geben muss:
„Schon wieder. Ich hasse diese Spielchen. Ich hasse Männer, die nicht wissen, was sie wollen.“
Ich habe mitgespielt. Wäre gar nicht mal so schlimm, wenn ich nicht geschummelt hätte. Habe ich aber. Wie so viele es beim Kennenlernen tun.
Weil man das heutzutage so macht.
Weil wir nicht fähig sind mit offenen Karten zu spielen.
Doch sind wir das wirklich nicht oder verstecken wir uns hinter einer Ausrede?

Mein Gedankenkarussell beginnt:

 

GENERATION BEZIEHUNGSUNFÄHIG

Generation Beziehungsunfähig. Generation Y. Generation Tinder.

Generation „immer auf der Suche nach dem besten, dem großen Ganzen“.

Ja, wir jungen Menschen haben in der Gesellschaft so unseren Ruf. Sind frei, nicht gebunden. Uns liegen tausende von Möglichkeiten zu Füßen, sind super schnell gelangweilt und gleichzeitig im Dauerstress. Wir haben Angst, uns festzulegen und etwas zu verpassen.

Unsere Generation ist auf der einen Seite so schön weltoffen; strebsam. Wir wissen, wie man ordentlich feiert und Spaß hat. Blicken wir jedoch auf die andere Seite wird eines ziemlich schnell bewusst: Bei dem schönsten aller Gefühle versagen viele von uns. Zu viele!
Einfach nur, weil wir direkt gehen, wenn der Liveauftritt der Liebe nicht genau so ist, wie wir es uns im Kopf vorgestellt haben.

Die Rede ist vom Perfektionismus. Wir müssen das verlernen. Ehrlich. Und wir müssen lernen der Liebe Chancen zu geben. Öfters „All in“ zu gehen. Unsere Ängste vor Bindungen und Enttäuschungen zu überwinden. Sich zu trauen, dem Flow hinzugeben. Nur tun wir das irgendwie nicht.
Weil wir anscheinend beziehungsunfähige Egoisten sind.

Bullshit, sage ich. Sind wir nicht!
Du bist du und ich bin ich. Wir sind kein Wir, keine bestimmte Generation, der man einfach so mal einen Namen geben kann. Wir sind Individuen. Klar, wollen wir Selbstverwirklichung. Ein erfüllendes Leben, voran kommen. Ich weiß, ein bedeutendes Merkmal für die Generation „Beziehungsunfähig“. Für mich allerdings kein Symptom.

Nein, das ist einfach nur unfassbar menschlich. Jeder von uns strebt nach Selbstfindung und Selbstentfaltung.

Das war schon immer so, ist so und wird auch immer so bleiben. Bei dem einen ist dies vielleicht ausgeprägter als bei dem anderen. Sicherlich. Aber in meinen Augen einfach nur ein menschliches Symptom, nicht das was unsere heutigen Generation definiert.

Was sich in unserer Generation offensichtlich verändert hat, ist die Digitalisierung und ihre Folgen. Folgen, die auch deutlich beim Dating spürbar sind. Es geht gar nicht mehr nur um Selbstoptimierung. Das Leben muss für viele 24/7 perfekt sein. Wir laufen Gefahr, dass unser Alltag davon bestimmt wird. Den sozialen Medien sei Dank. Ein Beruf ist nicht mehr nur dazu da, um Geld zu verdienen. Es muss richtige Berufung werden. Leidenschaft, Erfüllung. Auf unseren Instagram Profilen gibt es ausschließlich Bilder, auf denen wir perfekt getroffen sind. Wo wir mit coolen Menschen abhängen, viel erleben, reisen, feiern und Spaß haben.

Ja, es ist offensichtlich: Wir wollen Perfektion! Und ja, wir werden zu Egoisten.
Aber unsere Generation ist deswegen noch lange nicht einfach so beziehungsunfähig!
Unsere Außenwelt lässt uns einfach nur immer mehr zu Selbstdarstellern verwandeln. Ein Partner findet schwieriger seinen Platz in dieser Show. Vor allem einer, der nicht ebenso perfekt und makellos in unsere so wundervolle schöne Welt passt.

Liebe 90er Kids, wir sollten von unserem Ross herunterkommen. Niemand ist weniger oder mehr wert als man selbst. Auch dann nicht, wenn mehr Follower oder Facebook Freunde im Spiel sind. Wir sind alle gleich viel wert. Und alle gleich (un)perfekt. Das dürfen wir an dieser Stelle nicht vergessen.

 

RAUSCHZUSTAND

Unsere Generation hat einfach nur zwei Probleme:
Reizüberflutung und die Kommunikation, die uns durch die Digitalisierung so viel Spielraum gibt.
Das ist es, was uns kaputt macht. Keine Generation, die das lieben verlernt hat. Nein!

Wir sind einfach eine Generation, die sich nicht entscheiden kann. Weil wir nicht mal müssen. Warum denn auch? In einer Welt, wo es doch so einfach ist, neue Bekanntschaften zu knüpfen.

Der Markt ist überschüttet. Wir leben in einer Zeit, wo wir uns Männer und Frauen wie im Online Shop aussuchen können. In der wir uns innerhalb von Minuten zum Sex verabreden, mit einem Klick blockieren und ignorieren können, als hätte es ein „uns“ nie gegeben.
An jemanden festhalten? Niemals. Es könnte doch noch jemand Besseres auf uns warten.
Wir tun uns schwer, uns zufrieden zu geben. Wir wissen zwar grob, wonach wir suchen, aber haben wir dann eine Person gefunden, verpassen wir es meistens, Vollgas zu geben.

Durch soziale Medien und Dating Apps haben wir den Zugang zu so vielen potenziellen Partnern, dass es einen schon überfordern kann. Noch nie war uns so bewusst, wie viele potenzielle Partner es da draußen eigentlich gibt. Wir werden quasi überhäuft mit Angeboten andere Menschen kennenzulernen – ob für Smalltalk, eine ernsthafte Verabredung oder unverbindlichen Spaß.

Man konsumiert nur noch. Dates sind nichts mehr Besonderes. Sie sind austauschbar. Teil einer Gleichung, wie Mathematik.

Kein Wunder kriegen wir den Stempel der Beziehungsunfähigkeit aufs Auge gedrückt. Das ist nicht cool. Wir sollten darauf nicht stolz sein. Das ist einfach nur unfassbar traurig.

Das Problem bei solchen Apps wie Tinder oder Lovoo ist auch nicht mal die Oberflächlichkeit. Im realen Leben ist es doch nicht anders. Sind wir mal ehrlich: die ersten sieben Sekunden entscheiden einfach alles! Es entscheidet, ob unser Gegenüber in unseren Augen gut aussieht, Ausstrahlung besitzt oder das gewisse Etwas hat. Der erste Eindruck wird immer oberflächlich bleiben.
Das Bedenkliche bei Dating Apps ist jedoch die Masse! Die unbegrenzten Auswahlmöglichkeiten, der Strom neuer potenzieller Partner, der nie endet. Dieser Strom macht süchtig. Jedes Match ein kleines Erfolgserlebnis. Eine Zurückweisung kriegt man ja gar nicht so richtig mit, wenn man – sagen wir mal – die Fotos von 50 Leuten geherzt hat. Man verliert den Überblick, gewissermaßen echt im positiven Sinne. Man wird einfach nicht verletzt. Gutes Stichwort übrigens. Das ist es nämlich, was uns größtenteils zu anscheinenden beziehungsunfähigen jungen Leuten macht. Die Angst vor Zurückweisung, Enttäuschung und Gefühle.

Warum ist diese Beziehungsunfähigkeit in den letzten Jahren so populär geworden? Es ist ein richtiges Trendwort geworden. Die Antwort vermutlich erschreckend einfach:

Weil es für viele eine wunderbar bequeme Ausrede ist. Wer der Meinung ist, gerade nicht in der Lage sein zu können, sich zu verlieben, muss es auch nicht versuchen. Der muss nichts riskieren, macht sich nicht verwundbar, wird nicht abgewiesen und muss auch nicht kämpfen, wenn es mal kritisch läuft. Ein einfaches: „sorry, ich kann das nicht. Ich bin einfach nicht bereit für eine Beziehung“ reicht aus, um sich aus dem Staub zu machen. „Forever alone“ ist kein Dauerzustand. Keine Lösung. Menschen haben ein existenzielles Grundbedürfnis nach Liebe und Bindung. Mann braucht das auch nicht weniger als Frau.

Das Einzige, was wir brauchen ist mehr Arsch in der Hose. Weniger Ausreden, mehr Mut. Weniger Floskeln, mehr Tacheles.

Falls du es noch nicht wusstest: Ein Perfekt gibt es nicht. Du bist nicht perfekt, ich bin nicht perfekt. Genauso wenig wie kein Leben auf dieser Erde es jemals sein wird. Was uns fehlt, ist viel mehr die Einstellung von Tom aus „500 Days of Summer“: Meine Freundin ist mir lieber als meine Traumfrau, denn sie ist echt.
Ja, wir brauchen mehr Mut, uns auf einen Menschen einzulassen. Denn perfekt wird erst dann eine Person, wenn man sich verliebt. Mit all den dazugehörigen Fehlern und Makeln. Keiner hat ein Facetune-Gesicht und ein glitzerndes Instagram-Leben. Deine Illusion vom perfekten Partner wirst du in der Realität niemals finden, das solltest du dir spätestens jetzt abhacken!

Korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass es zu einer richtigen Beziehung immer weniger kommt. Es ist allerdings nicht die verpasste Beziehung, die ich schlimm finde, sondern vielmehr die verpasste Entscheidung dafür. In einer Welt, wo wir tausende Freiheiten haben und so viele Möglichkeiten, fällt es uns schwer, sich zu festzulegen. Wir können dankbar sein.
Aber wenn man alle Freiheiten hat, macht es das nicht zwingend einfacher. Ganz und gar nicht. Wir befinden uns in einem Rausch, wo es schwer wird, das richtige Maß zu finden. Und meistens entscheiden wir am Ende einfach gar nicht.

Scheitern tun wir traurigerweise aber schon bei der anfänglichen Kommunikation. Wir scheinen erst gar nicht so weit voranzukommen. Bevor es richtig anfängt, beenden wir. Weil wir Missverständnisse schaffen. Weil wir bei Kommunikationsmitteln wie „Whatsapp“ Meister darin sind, fehl zu interpretieren, was der Andere uns sagen will und uns missverständlich ausdrücken, was wir fühlen.

Wir kommen uns durch das Schreiben nicht näher. Diese Art von Kommunikation schafft Distanz. Das ist es, was viele nicht sehen.

Wach‘ auf, wir kommen uns über Whatsapp nicht näher!

VORHANG AUF

Okay, wir sind also eine Generation, die vor lauter Auswahlmöglichkeiten keine Kompromisse mehr schließen wollen und nur das Beste verdient haben. Auch einfach, da wir aus den Fehlern vergangener Beziehungen gelernt haben. Klar, ich gebe zu nach unschönen Trennungen lebe ich auch nach dem gesetzten Prinzip „jetzt bleibe ich erst mal alleine und finde zu mir selbst“. Was dann passiert, könnte man sogar das Geheimrezept nennen, wie man jemand Neues kennenlernt. Propagiert man still und laut, Single zu bleiben und das auch zu genießen (am besten as long as possible) passiert das, was man dann doch eher vermeiden wollte: du stolperst über diesen einen Menschen, der deine wertvollen „neuen“ Grundsätze einfach mal komplett durcheinander bringt. Ganz ohne Vorwarnung.

 

ZACK, BOOM, BONJOUR: DIE DATING SPIELE KÖNNEN BEGINNEN.

Nehmen wir mal an, du hast die Wahl zwischen zwei Menschen. Zwischen einem, der sich richtig bemüht und einer, der immer wieder auf Abstand geht. Was ist im ersten Moment reizvoller? Yes, wir finden in der Regel letzteres interessanter. Es ist spannender, irgendwie aufregender.
Der Wert der meisten Dinge misst sich nun mal an ihrer Seltenheit.
Und so ist das anscheinend auch beim Kennenlernen.

Wenn sich jemand nicht oft bei dir meldet, macht es die Momente, in denen dann doch etwas kommt, umso erfüllender.

Meine Freundin muss merken, wie ich in meinen Gedanken versumpft bin. Ich merke, wie ich an nichts anderes denken kann.
„Lass ihn zappeln, Janine. Ich würde jetzt erst mal so lange nichts schreiben, bis er sich wieder meldet.“
Tja, weißt du was an dem Rat meiner Freundin das Verwerfliche ist? Sie wird so fuckin’ Recht behalten.

In unserer Generation scheint es beim Dating das Zauberwort schlechthin zu sein: Unerreichbarkeit. Schockierend muss ich feststellen, dass das in zu vielen Fällen leider stimmt.
Willst du gelten, mach dich selten. Und selten macht anscheinend interessant und offensichtlich attraktiv.
„Bloß nicht zu viel Interesse zeigen, das verschreckt ihn.“
Was für ein beliebter Tipp in Frauenmagazinen.
Was für ein scheiß Tipp, wenn du jemanden echt toll findest.

JAG MICH, BABY!

Es scheint so, als ob Mann sich blauäugig ins Abenteuer stürzt, während Frau gewitzte Taktiken ausgrübelt, um im wahrsten Sinne des Wortes „wahnsinnig“ zu machen. Heimlich aber Potenzial in ihn sieht, was er aber natürlich niemals erahnen darf.

Ich kann irgendwo nachvollziehen, dass Männer einfacher gestrickt sind und nur nach ihrem Instinkt handeln – nach dem Urinstinkt des Jägers. Man(n) möchte immer nur das haben, was er nicht (leicht) bekommen kann. Lässt erklären, warum eine ganze Frauenwelt ihre Handys weg sperren lässt, nur um ihm bloß nicht zu schreiben oder anzurufen. Oder warum Frauen so sehr an ihren Prinzipien festhalten. Prinzipien, die ungeschriebene Regeln beim Dating sind:
– Das erste Date darf nicht in der eigenen Wohnung sein.
– Bloß nicht vor dem zweiten Treffen küssen.
– Kein Sex vor dem dritten Date. Wenn du sicher gehen willst, dann am besten drei Monate keinen! Oder ein ganzes Jahr einfach…
Die Liste ist lang, weibliche Geschöpfe kennen diese „Regeln“ ja nur zu gut.

Wir Frauen fangen also lieber an, Desinteresse zu heucheln, wo doch eigentlich so viel Sehnsucht und Verlangen ist. Einfach nur, weil wir Angst davor haben, den potenziellen Kandidaten zu verscheuchen. Und hey, wir sind ja auch nicht leicht zu haben. Schließlich gibt es ja noch diese Schlampenlogik und Doppelmoral. Sorry, aber wir Frauen haben es manchmal echt nicht so leicht. Jaja ich weiß, ihr Männer auch nicht…

Wir sind tatsächlich beim Jäger und Beute Spiel angekommen. Es scheint ein Thema zu sein, welches ich nicht ignorieren kann. Es gehört anscheinend zur ganzen Dating Sache dazu. Muss ich mich echt klein bei geben und mich einfach auf Spielchen einlassen? Weil man das irgendwie so macht? Machen muss?

Muss ich wirklich die 100-0-100-Taktik anwenden? Beim ersten Date voll auffahren, Begeisterung und Interesse zeigen, um ihn danach mit meiner weiblichen Abwesenheit zu verunsichern?
Wir überspringen den Part, wie schwierig es ist, sich gefühlsmäßig zurückzunehmen, wenn es wirklich ein schöner Abend war. Aber Frau soll warten. Warten, bis er sich meldet, um dann…naja, um dann nur kurz zu antworten. Also wirklich kurz! Sich Zeit zu lassen. Okay, ich hasse das, aber ich muss es wirklich schreiben: Frau soll oder muss sich rar machen. Runter auf 0 fahren, damit er mit allen Mitteln versuchen wird, Frau wieder auf die 100 zu pushen.

Männer, diese Taktik funktioniert. Leider viel zu oft. Aber wollen wir das echt alle? Come on!

 

KEINE KOMPROMISSE IN DER LIEBE

Ich nippe an meinem Glas Weißwein. Okay, zugegebenermaßen nehme ich einen sehr großen Schluck. Na gut, vielleicht trinke ich auch auf Ex.
Ich bin zwiegespalten. Er hat mir richtig gut gefallen. So richtig richtig gut sogar. Habe ich ihm aber nie direkt gesagt. Weil ich gelten wollte. Und wenn ich das sagen würde, würde ich ja zu viel Interesse zeigen. Uff, ich gestehe mir ein, mitgespielt zu haben. Und bin gleichzeitig genervt von mir. Von ihm.
Will ich einen Mann, der mich nicht mehr will, wenn ich ihn gerne habe, ihn das spüren lasse und mich sofort melde? Will ich einen Mann, der mir das Gefühl gibt, ich könne ihm das nicht zeigen, sagen?

„Wann zur Hölle habe ich eigentlich den scheiß Moment verpasst, wo ich angefangen habe, Spielchen zu spielen?“, frage ich mich. Für mich steht in diesem Moment fest, dass es gleichzeitig der Moment sein wird, wo ich disqualifizieren muss. Vielleicht zu früh. Vielleicht aber auch gerade genau richtig.

Ich will niemanden, der mich nur dann will, wenn ich weg bin. Der mich nur interessant findet, wenn ich weniger von mir hören lasse. Ich möchte keinen Zustand vorspielen müssen, der suggeriert „ist mir doch alles egal, du bist mir egal.“
Wenn ich dich mag, dann bist du mir das nicht! Ich möchte dich kennenlernen, Zeit mit dir verbringen und gemeinsam herausfinden, wo das Ganze hinführen könnte.

Ich muss sofort an einen meiner Exfreunde denken. Ich hätte das Glas wohl nicht auf Ex trinken sollen. „Du wusstest schon mit deinen jungen 14 Jahren, was du willst.“ Das klang in seinen Ohren schon immer bewundernswert. Und vorwurfsvoll zugleich. Ich weiß, dass das einschüchternd wirken kann. Aber ist es verwerflich, dass ich eine Person bin, die mit sich selbst voll im Reinen ist? Sich ihrer selbst ganz bewusst ist? Ja, ich gehöre zum Typ Frau, die weiß was sie will. Die weiß, worauf sie bei einem Mann wert legt.
Ich kann mich mit dieser Beziehungsunfähigkeit unserer Generation auch nicht identifizieren. Brauche keine Ausreden und (er)finde Gründe. Das ist bequem. Einfach. Und so herrlich angenehm. Sich auf seiner Generation Y auszuruhen und keine weitere Verantwortung tragen zu müssen. Nicht Klartext reden zu müssen, sondern sich feige hinter diesem einen Wort verstecken zu können.

Ja, das ist definitiv einfacher! Ohne Zweifel!

Ich stelle fest: Je mehr mir ein Typ gefällt, desto mehr gehe ich aber auf diese Spiele ein. Warum ist das so? Meine Prinzipien und die Regeln der Gesellschaft prägen sich nur so in meinen Kopf ein. Ich verhalte mich teilweise wie eine andere Person. Bedeutet, ich schreibe bewusst erst später zurück. Halte meine Emotionen mehr zurück. Lasse mich weniger fallen.

Warum machen wir uns das Leben so unnötig kompliziert? Kann ich nicht einfach als Frau sagen: „hey ich mag dich und will Zeit mit dir verbringen. Ich will dich kennenlernen. Wann hast du Zeit?“
Warum denke ich, dass ich dadurch weniger begehrenswert sei? Ich bin uninteressant, weil ich erreichbar bin? Ernsthaft?

Liebe Männer,
wenn eine Frau sagt: „Ich mag dich, ich will dich kennenlernen“ ist das keine versteckte „Ich liebe dich abgöttisch, will dich heiraten und in Ketten legen, am liebsten sofort, hier und jetzt“-Botschaft, sondern einfach eine ehrliche und mutige Meinung.

Das macht uns natürlich verletzbar, aber nur so können wir Menschen kennenlernen, richtig?

Also warum kompliziert Spielchen spielen, wenn es auch einfach geht? Sich kennenlernen, treffen, Zeit miteinander verbringen, reden, lachen, schweigen, sich nahe kommen. Warum laufen so viele weg, wenn sich ein Gefühl einschleicht? Es sind nicht mal nur die Männer, die dann plötzlich die Flucht ergreifen. Frauen tun das genauso. Warum überwiegt die Angst vor Enttäuschung oder Verletzung vor dem Gefühl der Verliebtheit. Das bedeutet noch lange nicht, dass wir heiraten. Du der Mann meiner Träume oder sie die Frau deiner Träume sein muss. Manchmal ist es nur Schwärmerei. Mal hält es länger, mal kürzer an. Und wenn wir darauf eingehen, kann es stärker werden. Noch schöner. Also warum können wir nicht einfach das Gefühl genießen, es zulassen, die schönen Momente genießen ohne gleich durchzudrehen? Den Flow zu unterbrechen? Warum ziehen wir so schnell die Bremsleine?

ZEIG MIR DEINE PRIORITÄTEN UND ICH SAG DIR WER DU BIST

„Willst du ihn jetzt echt sofort abschießen? Nur weil er keine Zeit für dich findet? Findest du nicht, dass du überreagierst?“

Nenn’ mich oldschool, aber ich bin der Meinung, dass niemand zu beschäftigt ist. Möchte ich jemanden kennenlernen, verbringe ich gerne Zeit mit dieser Person. Und finde diese auch. Man sollte beim Dating darauf achten, wie jemand seine Prioritäten setzt. Ob jemand mit dir spielt oder nicht. Wie weit oben du auf dieser Liste stehst. Oder halt eben nicht.

Mit dem nötigen Abstand muss ich mich fragen, was Sätze wie „ich habe gerade so viel zu tun“ oder „ich will mich gerade auf mich selbst konzentrieren“ eigentlich bedeuten. Sie umschreiben auf freundliche Art, dass man einfach nicht (genug) interessiert ist.

Andere Prioritäten zählen. Die Dinge werden von einer Seite in Schwebe gehalten. Man muss der Realität ins Auge blicken und lernen zu erkennen, wann einer mehr Energie in das Kennenlernen steckt als der andere. Der Flow wurde an dieser Stelle auch schon längst gebrochen, die Entscheidung hat man dir quasi abgenommen.

Mag sein, dass ich eine Ausnahme in dieser Datingwelt bin. Ich möchte meine Zeit jedoch nicht mit Jemanden verschwenden, der sich nicht mit mir auf Augenhöhe befindet. Wenn ich eine Person mag, merkt diese das. Was in der digitalen Kommunikation zugegebenermaßen bei mir eher nicht so leicht zu erkennen ist, sieht in der echten Konversation völlig anders aus. Beruht das nicht auf Gegenseitigkeit, ist das für mich völlig in Ordnung. Allerdings investiere ich meine Zeit oder Kraft lieber in andere Dinge. Ich muss mir einfach mehr wert sein als ein  „sorry, ich weiß zur Zeit einfach nicht wo mein Kopf steht, wir müssen unser Treffen wieder (!) verschieben.“

Und hey, es ist übrigens kein Weltuntergang, wenn dich jemand nicht so sehr mag wie du vielleicht ihn oder sie. Es ist nur nicht in Ordnung, sich hinhalten zu lassen. Der einzige Schritt, den du erkennen musst, ist, dass du das auch nicht verdient hast.
Entweder beide Seiten haben das gleiche Interesse oder man steigt aus.

 

WER SPIELT, MUSS AUCH VERLIEREN KÖNNEN

Dieses Spiel ist ermüdend, habe ich Recht?

Ja, ich werde ihn abhacken müssen. Nach wie vor vertrete ich die Meinung, dass ich einen Mann, der mich nur möchte, weil ich Spielchen spielen kann, schlichtweg aus meiner Liste der potenziellen Partner streiche. Ich will keine bestimmte Männertaktik anwenden müssen, nur damit er Interesse an mir hat. Ich möchte ich sein. Und ich möchte das tun, was ich in jedem Moment für richtig halte. Ich möchte mich nicht zurückhalten müssen.

Ich möchte nicht mehr mitspielen. Halt, ich korrigiere. Ich spiele nicht mehr. Ich weiß natürlich nicht, was der andere darüber denkt. Weil wir nie darüber gesprochen haben. Über uns. Weil ich nicht weiß, was mein Gegenüber von mir denkt oder fühlt, wenn ich in seinen Armen liege, er mich küsst.

Wir sind Meister darin, Verhalten zu interpretieren und sind lediglich nur beleidigt von unseren eigenen Gedanken.

Weil wir Angst davor haben zu reden. Klartext zu reden. Ich möchte nicht mehr bewusst irgendwelche Dinge tun, die Eifersucht wecken könnten. Mich zurückziehen. Habe ich also das Gefühl, mich verstellen zu müssen, nur um gemocht zu werden, mag ich mich selbst nicht mehr. Ich bleibe mir selbst auf eine ganz komische Art nicht treu. Wer wirklich geliebt werden möchte, sollte das aber dringend bleiben!

Es mag manchmal sogar tatsächlich leichter oder einfacher sein, die Coole zu mimen. Ja, wer sich nicht verletzlich zeigt, wird vielleicht auch nicht so schnell verletzt, das stimmt. Das Ding ist nur, dass wahre Gefühle nur dort entstehen, wo sie auch zugelassen werden. Was wiederum im Umkehrschluss bedeutet:
Willst du gelten, dann zeige dich. Mach dich angreifbar. Lasse dein Gegenüber dein Interesse spüren. Und entweder meine Persönlichkeit ist interessant oder halt eben nicht. Und entweder mein Gegenüber hat Interesse an mir oder nicht. Im Endeffekt ziemlich einfach.

Ich fühle mich alt. Zu alt für diesen Bullshit. Ich bin in einem Alter, wo ich wissen möchte, wohin das Ganze führt. Von vorne rein einfach klar ist, welche Absichten im Raum stehen. Welches Ziel verfolgt wird. Von beiden Seiten

Ich will Gefühle. Gefühle, die Platz für Erwartungen und Hoffnungen liefern. Hören wir auf, diesen Flow mit Spielchen  zu unterbrechen und kaputt zu machen.

 

SELBSTLIEBE

Ich sitze auf dem Balkon. Er hat gemerkt, dass irgendetwas Ungutes in der Luft liegt. Sein Name erscheint mit dem Anrufsymbol auf dem Display. Und ich habe es getan. Ihm „mach’s gut“ anstelle von einem „ich will dich doch einfach nur wiedersehen“ gesagt. Als wäre ich die coolste (in meinen Augen eher die uncoolste und unentspannteste) Person ever.

Ich serviere ihn nur ab, weil ich mit meinem Tun und Lassen die Liebe und den Respekt zu mir selbst zeigen will. Ich will signalisieren, dass ich mir selbst würdig und wichtig genug bin. Die einen guten Umgang verdient hat.
Und ja, du wirst es gerade bemerkt haben: ich habe wieder gespielt. Mit dem großen Unterschied, dass gleichzeitig das Spiel beendet ist. Wer als Verlierer raus geht, lasse ich hier mal unkommentiert offen stehen.

Ich bin nach wie vor Single. Ein ziemlich zufriedener sogar. Ich glaube nicht daran, dass erst eine Liebe mich vollkommen machen kann. Nicht an das eine Puzzleteil, welches zu meinem Glück fehlt. Aber ich glaube daran, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Dass jeder Mensch, der mein Leben betritt eine bestimmte Funktion hat. Und ich lasse mich auf diesen Flow ein. Jedes Mal auf’s Neue. Ohne zu wissen, welchen Platz ein Mensch einnimmt. So war das auch bei ihm. Doch selbst nach der 1000 schlechtesten Erfahrung, würde ich mich immer wieder auf jemanden einlassen, der mir gefällt. Weil ich neugierig bin. Ich bevorzuge die Variante „wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Ich möchte nicht aufgrund negativer Erfahrungen zu einer anderen Person werden. Vorsichtiger werden. Ich möchte nicht zu der Generation gehören, die sich als beziehungsunfähig betitelt. Ich möchte in Zukunft einfach nur noch mit offenen Karten spielen.

 

Ich steige aus meinem Gedankenkarussell aus.

Bin enttäuscht darüber, wie beide Seiten es verkackt haben.
Enttäuscht darüber, dass ich es so schnell beendet habe.
Einfach nur, weil ich keine Gelegenheit oder das Bequemste, was man gerade so bekommen konnte, sein möchte.
Ich ein Statement setzen wollte.

FAZIT

Zwischenmenschliche Beziehungen sind echt schwierig. Sie bedeuten Arbeit, egal ob zwischen Freunden oder Geliebten. Aber sie bedeuten vor allem eins: Respekt! Und das heißt, dass man ehrlich ist. Zu dem anderen und zu sich selbst.

Spielchen haben hier nichts zu suchen. Sie gehören auf den Spielplatz. Zu kleinen Jungs und Mädchen. Nicht zur Liebe!

Ich will hier nicht sagen, dass ich dieser Generation nicht angehöre, keine Eigenschaften derer innehabe. Aber ich ergebe mich keiner Pseudodiagnose, um meine eigenen Fehler zu entschuldigen. Das wäre feige. Menschen hatten schon immer Probleme mit Beziehungen und werden sie auch immer haben. Wir benutzen Tinder, um schnelle Nummern zu schieben und können gleichzeitig dort den Partner unseres Lebens finden. Menschen scheiden sich, Menschen heiraten. Nicht zwingend mehr oder weniger als früher. Niemand ist jetzt plötzlich weniger beziehungsfähig, aber zu viele von uns nutzen dieses Wort aus, um weniger verantwortlich für ihr Tun zu sein. Reden lieber im Plural, weil das weniger Verantwortung bedeutet. Und genau das kann und will ich nicht akzeptieren!

Ich verstehe, dass wir die Generation sind, die sich nicht festlegen möchte. Auf den Magic Moment wartet. Auf die Person, die uns vom ersten Augenblick an umhaut. Total flasht. Wir, die Langzeit-Singles, Friends with benefits und Mingles (oh Gott, wie ich diese Bezeichnungen verabscheue). Wir, die die Zukunft fürchten und Angst vor Verbindlichkeiten haben.

Wir stehen voll für Work-Live-Balance, aber schaffen es kaum das Gleichgewicht in puncto Liebe und Sex zu halten.

Wir haben zwar den Stempel „Generation Beziehungsunfähig“, aber da draußen gibt es einige Pärchen in unserer verkorksten Welt. Weil sich eines nicht geändert hat und sich auch niemals verändern wird: Uns alle verbindet der Traum von der großen Liebe, dem Wunsch nach dem Seelenverwandten. Nach Jemanden, der uns versteht und kennt, noch bevor wir es selbst getan haben.
Am Ende des Tages sind wir alle hoffnungslose Romantiker. Wir geben nach gescheiterten Beziehungen nicht auf, die wahrhaftige Liebe zu finden. Diese Liebe mit der sich alles so wunderbar anfühlt. So leicht und so gut. Diese Liebe, wo man merkt, dass es einfach passt. Mit der man alt werden möchte und sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen kann.
Das ist es, wonach sich jeder sehnt. Genauso sehr wir unsere Großeltern es getan haben.

Können wir also bitte mal aufhören uns hinter dieser Generation zu verstecken, die fälschlicherweise als liebesunfähig bezeichnet wird?!

Können wir uns also endlich mal mehr trauen und auf ein Gefühl eine Entscheidung folgen lassen?
Mehr miteinander kommunizieren und uns trauen?

Betrachten wir es als Privileg, sich entscheiden zu können. Als Schlüssel zum Glück. Zur großen Liebe nämlich!

Meine Oma würde die Hände über den Kopf schlagen, wenn sie wüsste, was heutzutage in der Datingwelt abgeht. Sie würde sagen „Kinder, sprecht miteinander. Geht raus, trifft euch, redet, lacht, lernt euch kennenlernen, seid ehrlich zueinander und verliebt euch. Die Zeit ist zu kurz, um sich gegenseitig das Leben schwer zu machen.“
Und wir wissen alle, dass sie damit so verdammt Recht hätte…

2 Antworten

  1. flyhighpia
    | Antworten

    Du hast so recht mit deinen Thesen! Ich bin selbst „altmodisch“ – lege mich gern fest und zeige direkt, wenn ich jemanden mag. Das haben viele schon negativ ausgenutzt, aber mittlerweile bin ich glücklich verliebt seit einigen Monaten (wobei ich da auch drum kämpfen musste… aber Menschen verlieben sich auch einfach unterschiedlich schnell). Mach weiter so <3

    • Jani Isa
      | Antworten

      Danke Liebes! <3 wir brauchen mehr von unserer Sorte hihi!

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