Ich bin sprachlos.

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München. „Wie kannst du dich als öffentliche Person nicht zum Terror äußern und normal dein Leben weiterleben und auf Snapchat in die Kamera lächeln?“ „Blogger sollten sich zu politischen Themen äußern und ihre Reichweite nutzen.“ „Blogger sollten sich nicht zu politischen Themen äußern, das ist zu gewagt und hat hier nichts zu suchen.“

Es wäre heute eigentlich mein Beitrag zum Marokko Urlaub online gegangen und eins ist klar: Ich begebe mich gerade auf dünnes Eis. Auf sehr dünnes Eis sogar. Man kann es niemanden Recht machen und man wird es immer für einige falsch machen. Also mache ich das, was ich für richtig halte und respektiere jeden, der auf eine andere Art mit diesem Thema umgeht oder in wie fern er sich dazu äußern möchte. Ich tue mir schwer, mein Mitgefühl den Opfern, den betroffenen Familien, sowie den Münchner gegenüber dieses nur in Form eines Hashtags zu zeigen.

 

#prayfor – Wie oft muss ich diesen Hashtag jetzt noch lesen müssen? Wann hört das endlich wieder auf?
Wie verrückt ist diese Welt geworden? Was wird noch alles auf uns dieses Jahr zukommen?
2016. Ein Jahr des Terrors? Psychisch kranke Menschen wollen uns unsere Freiheit, unser Leben nehmen. Wir sind angekommen. In der Hölle.

Es vergehen keine zwei Tage, an denen ich in den Nachrichten nichts über Terror, Anschläge und Hass lesen muss. Ich konnte es lange ignorieren, habe mein Leben so weitergelebt wie bevor. Doch was ist, wenn der Terror plötzlich so gut wie vor deiner Haustüre steht? Karlsruhe – München. 3h Autofahrt.

Ich muss gestehen, dass ich bisher mit dem Terror, den ganzen Vorfällen „gelassen“ umgegangen bin. Gelassen klingt hart. Ich meine damit, dass meine Gedanken selbstverständlich in Paris, Nizza, Brüssel (,…einfach überall wo Schreckliches passiert ist) waren, aber ich spürte nicht diese enorme Angst. Und dann fing es an: Hannover Bombenalarm, Axt-Attentäter in Würzburg und jetzt…Amoklauf in München.

Flüchtlinge! Gibt es ein Thema, was unsere Nation mehr spaltet?
„Und jetzt stelle dir mal vor, das passiert bei dir jeden Tag. Würdest du dann auch nicht flüchten wollen?“ Ja, würde ich. Doch ist es zu viel verlangt zu erwarten, dass ich als Bürger möchte, dass die Menschen (Flüchtlinge), die in unser Land kommen, kontrolliert werden? Ich persönlich bin mir sicher, die Mehrzahl der Flüchtlinge sind Menschen, die Angst hatten. Große Angst. Wie das Wort sagt: Sie sind geflüchtet aus ihrem eigenen Land auf der Suche nach Schutz. Hoffnung auf ein friedlicheres Leben. Doch wie überall gibt es schwarze Schafe und auch ich verlange als Bürger die Kontrolle. Kontrolle für die eigene Sicherheit.
Thailand, Marokko, Ägypten,…egal wo hin ich reise, ich durchquere tausende von Sicherheitskontrollen, wurde bereits in extra Räume gebracht, Sprengstoffkontrollen, Ausfüllen von Visen, Konfrontation privater Fragen und meiner Absichten,…kein einziges Mal habe ich mich darüber beschwert oder aufgeregt, denn ich weiß, es geht um Sicherheit. Kontrolle, für die ich Verständnis habe. Gleichzeitig bedeutet das aber auch eigene Sicherheit. Ein kleines bisschen zumindest, denn sicher kann man sich leider nie sein.

Ich finde es nicht ganz gerecht zu behaupten, die Anschläge wären allein Merkels Schuld. Die Flüchtlinge sind Schuld, dass unser Deutschland vom Terror überdeckt wird. Merkel trägt in gewisser Weise dazu bei. Ja und auch ich, die sich nie sonderlich für Politik interessiert hatte, wird nächstes Jahr wählen gehen und sich ganz bewusst überlegen, wer Kanzler/in werden sollte. Wir sollten uns allerdings nicht in schweren Zeiten gegen eine bestimmte Menschengruppe stellen. „Merkel hat uns dieses Pack geliefert. Merkel hat die Türen für sie geöffnet.“ Das ist irgendwie zu einfach, zu plump und zu naiv. Ich verstehe den Hass. Der Hass, der lediglich pure Angst ist. Ich möchte betonen, der Täter von München war kein Flüchtling. Deutscher. Ja, mit iranischem Hintergrund. Das spielt für mich keine Rolle, denn er ist hier geboren und aufgewachsen. Also Deutscher! Doch egal, wer dahinter steckt, hätte es etwas an der Zahl der Opfer geändert? Gäbe es dadurch weniger Betroffene und Leidende? Ich denke nicht.

Ich bin misstrauisch. Ich weiß nicht, wem man noch vertrauen darf, welche Absichten jemand hat und was für ein Mensch sich hinter jedem verbirgt. Ich gehe morgen auf ein Fest. Ich schaue fremden Menschen in die Augen. Muss ich jetzt Angst haben, dass er dem IS angehört? Amokläufer als Vorbilder hat? Gewaltspiele mit der Realität verwechselt? Sich selbst in die Luft sprengen will?
Der Täter von München. Keiner hat es bei ihm geahnt, es war unberechenbar. Innerhalb Sekunden hat er Menschenleben ausgelöscht.

Jeder Krieg ging bisher aus Angst hervor. Menschen haben Angst bekommen und hofften auf Polizei und Militär. Wir Bürger dürfen nicht zulassen, dass diese Angst uns lenkt. Gerade jetzt sollten wir dieser Welt unsere ganze Liebe schenken. Aus Angst darf kein Hass, Wut und Ärger entstehen!

Diese Welt ist so unfassbar wunderschön. Unsere Welt ist ein Wunder, das Werk Gottes, ein Geschenk. Wir Menschen zerstören alles, was uns gegeben wurde. „Ich wünsche mir Weltfrieden.“ – Eine Standardantwort bei jeder Misswahl. Eine Antwort, die ich mir noch nie so sehr gewünscht habe wie spätestens dieses Jahr. Physiker Stephen Hawkings warnt vor Selbstausrottung. Die technische Entwicklung schreitet fort, während wir Menschen anfangen, uns zurückzubilden. Wir Menschen sind selbst dafür verantwortlich, dass die Welt nach und nach zu Grunde gehen wird. Keine Religion ist dafür verantwortlich, das sind wir selbst. Wir müssen anfangen, das zu verstehen!

Ich bin 22 Jahre alt. Ich möchte Kinder haben. Nicht jetzt und auch noch nicht morgen. Doch wenn diese Welt so weitergeht, frage ich mich ernsthaft, ob ich mein Kind so aufwachsen sehen will. Ich habe Angst um die Lebensqualität. Ich kann es nicht leugnen. Für mich bedeutet Lebensqualität kein Geld, Ansehen und Luxus. Für mich bedeutet das Freiheit, Sicherheit und Unbeschwertheit. Wir leben mittlerweile in einer Welt, in der wir uns fragen müssen, ob Freunde, Familie noch am Leben sind. Trotz all dem müssen wir versuchen, unser Leben so weiter zu leben wie bisher, denn Angst ist genau das, was die Täter erreichen wollen! Leider.

Ich bin sprachlos.

14 Antworten

  1. Hannah
    | Antworten

    Ich mag deine Posts. Eigentlich. Warum sind denn die Flüchtlinge Schuld, oder habe ich das falsch verstanden? Der IS wäre auch ganz sicher ohne die Flüchtlinge nach Deutschland, Europa etc gekommen. Und es radikalisieren sich genauso gut deutsche.

    Und by the way die Flüchtlinge werden kontrolliert, und hängen tageweise deswegen an Kontrollen fest, teilweise werden ihnen ECHTE Papiere zb Bestätigung ihrer Ausbildung weggenommen, weil man vermutet sie wären gefälscht (tut hier nichts zur Sache eigentlich aber naja.). Geprüft wird das erst hinterher. Für die gibt es dann aber keine Chance ihrem Beruf nachzugehen. Die Waffen/Bomben etc werden nicht mitgenommen, sondern hier aufgetrieben und das hat somit nichts damit zu tun, dass Deutschland Flüchtlinge aufnimmt.
    Ich arbeite in der Flüchtlingshilfe, und weiß das. Schwarze Schafe gibt es immer, und es gibt auch genug deutsche die (auch nicht kontrolliert werden) und Menschen umbringen.

    • Jani Isa
      | Antworten

      Liebe Hannah,
      erstmal vielen Dank für dein Feedback. Nicht jeder kann die gleiche Meinung teilen und irgendwie ist das ja auch gut so, oder? 🙂 Da du bei der Flüchtlingshilfe arbeitest, bekommst du da auf jeden Fall mehr mit als andere oder ich und du kennst auch die andere Seite. Leider ist es aber Fakt, dass letztes Jahr sehr sehr viele Flüchtlinge ohne jegliche Kontrolle oder Papiere zu uns gelassen worden sind. In meinen Augen sind Flüchtlinge so weit ein „Problem“, da einige ein komplett anderes Wertesystem haben, keine Regeln oder Grenzen kennen oder sich anpassen. Was bei mir im Nachbardorf deswegen schon abgegangen ist, ist erschreckend und ein Grund warum ich mich nicht mehr so sicher fühle. Aber wie du schon sagtest, schwarze Schafe gibt es überall, da gebe ich dir absolut Recht. Nur befinden sich die mehr unter diesen Flüchtlingen…es ist ein wirklich schwieriges Thema! :-/

  2. Alina
    | Antworten

    Hallo Janine,
    Ich finde es super, dass du zu dem Thema so einen ausführlichen Post verfasst hast und ich stimme dir absolut zu ! Ich sehe das genauso wie du und finde es auch einfach furchtbar was mittlerweile mit der Welt passiert. Mittlerweile geht man mit einer gewissen Angst durch das Leben, allerdings denke ich auch, dass man sein Leben deshalb nicht verändern sollte sondern einfach jeden Tag ausnutzt und auch lebt und sich nicht zuhause verkriecht nur weil man Angst hat. Man weiß nicht wie lange man noch auf dieser Welt bleiben darf und deswegen muss man jeden Tag nutzen und das beste draus machen !

    Es ist toll, dass du so ehrlich und authentisch bist und auch wenn ich dich nicht persönlich kenne, wirkst du durch solche ehrlichen Posts total sympathisch und ich lese deinen Blog wirklich gerne !

    Ganz liebe Grüße
    Alina

    • Jani Isa
      | Antworten

      Hallo liebe Alina,
      das freut mich sehr zu hören, dass du in diesem Punkt die gleiche Meinung vertreten tust! 🙂 Ja, wir müssen wirklich jeden Moment zu schätzen wissen und einfach nur genießen!
      Vielen Dank für deine Worte! <3 Fühl dich gedrückt!! xx

  3. Sinah Notheisen
    | Antworten

    Liebe Janine,

    ich danke dir wirklich sehr, dass du es gewagt hast, nicht nur als Blogger sondern auch als Mensch, deine Meinung und dein Befinden mitzuteilen und mit uns zu teilen.
    Du sprichst mir in so vielen Dingen aus dem Herzen.
    Ich fühle mich oft missverstanden, wenn ich mich zukunftsbedacht äußere und sage, ich weiß nicht ob ich in „diese Welt wie sie jetzt ist“ Kinder setzen will.
    Ich wünsche mir nichts sehnlicher als Kinder!! (Bin 28Jahre alt, verheirtatet … )
    Nur wenn ich selbst, als Frau, Angst habe, kein Sicherheitsgefühl habe (so wie du es beschrieben hast), dann weiß ich nicht, ob ich das meinem Kind zumuten möchte..
    (Ich hatte selbst im letzten halben Jahr zwei einschneidende Erlebnisse, durch die ich stets und ständig verängstigt bin und mit Pfefferspray rumlaufe..)

    Ich bin ein optimistischer Mensch und möchte nicht behaupten, dass alles nur noch schlimmer wird… Doch wodurch soll es besser werden? ..
    Wenn wir nicht alle an einem Strang ziehen, Mut haben, die -ganz oben- wüssten, wie sie die
    „Situationen“ oder auch Menschen kontrollieren können oder würden….
    Ich könnte noch unzählige meiner Gedanken dazu schreiben.

    Möchte aber hiermit nur dir DANKE sagen!
    Du bist mir oft in menschlicher Sichtweise so ähnlich..

    Ich lasse dir ganz liebe Grüße da
    Fühl dich gedrückt und du bist nicht allein mit deinen Gedanken

    Sinah (ebenfalls aus Raum Karlsruhe)

    • Jani Isa
      | Antworten

      Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, einen solch lieben Kommentar zu schreiben! 🙂
      Das beruhigt mich sehr, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine bin und es dir da ähnlich geht!
      Wir müssen versuchen uns von der Angst nicht beeinflussen zu lassen und einfach jeden Moment noch mehr zu genießen, im Hier & Jetzt zu leben! Fühl dich ganz fest gedrückt xx

  4. Anna-Lena
    | Antworten

    Hey Jani, ich habe noch nie einen Blogpost kommentiert, aber hier muss ich das tun.
    Respekt vor diesem Post! Du hast echt super Worte gefunden für diesen Horror und sprichst mir aus der Seele. Ich bin leider noch näher an München – 45 Minuten mit dem Auto und 2 Freundinnen waren gestern irgendwo in der Stadt unterwegs. Es geht ihnen gut, aber da wird einem das noch viel klarer, wie real das Ganze ist…
    Liebe Grüße!

    • Jani Isa
      | Antworten

      Hallo liebe Anna-Lena,
      oh das freut mich zu hören! Dann weiß man wieder plötzlich alles viel mehr zu schätzen..
      Danke für dein Kommentar! <3

  5. Lina
    | Antworten

    Mega guter Blogpost.! Ich finde es gut das du dich als Blogger öffentlich zu diesen Thema äußerst. Ich stimme nicht mit allen 100% über ein aber ich finde das Ichs gar nicht wichtig. Viel wichtiger ist das man seine Meinung laut äußert und sich zu dem Thema oder eher gesagt Themen Gedanken macht. Und genau dazu trägt auch dein Beitrag bei zum nachdenken. Danke

    • Jani Isa
      | Antworten

      Danke Lina für deinen Kommentar! :-* Jeder sollte auch seine eigene Meinung zu diesem Thema haben und ich finde es toll, dass du diese respektierst! 🙂 Danke!

  6. Laura Hanel
    | Antworten

    Ich finde es toll, dass du dich dazu geäußert hast und ich stehe zu 100% hinter dem was du gesagt hast.♡

    • Jani Isa
      | Antworten

      Danke Laura, das freut mich! 🙂 Hoffen wir auf eine Besserung der Welt…

  7. Pauline
    | Antworten

    „sprachlos“ aber ein 948 Worte-Blog… hmmm

    • Jani Isa
      | Antworten

      Liebe Pauline, leider hast du den Sinn dieses „ich bin sprachlos“ nicht verstanden. Ich bin sprachlos darüber, was in dieser Welt passiert und vor allem eins: fassungslos. Natürlich habe ich aber auch dazu eine Meinung und Gedanken, die ich loswerden wollte. Trotzdem sprachlos.

      Ps.: Danke fürs Kopieren des Textes, um zu sehen, wie viele Wörter es geworden sind! 😉

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