Ist ein „vielleicht“ die beste Art, sich zu entscheiden?

eingetragen in: Thoughts | 0
Thoughts

Vielleicht habe ich am Wochenende Zeit für dich.
Vielleicht melde ich mich nach unserem Treffen bei dir.
Vielleicht könnte ich mir etwas Ernstes mit dir vorstellen.
Nur weiß ich das jetzt gerade noch nicht. Oder vielleicht doch?

Sich festlegen, für etwas entscheiden und mit den daraus resultierenden Konsequenzen leben – Fehlanzeige. Wir machen unserem Ruf, unserer Generation alle Ehre. Zumindest scheint mir das so.

Warum denn auch, wenn es da ein Wort gibt, dass so unverbindlich ist? Bei dem wir uns alle Optionen freilassen können. Frei sind von Entscheidungen. Von Druck. Und von Verbindlichkeiten.

 

Zweite Wahl. 

Aber was haben wir eigentlich davon? Davon, jemanden auf die Warteliste zu setzen, den wir eigentlich gerne sehen möchten und ganz gut finden?
Klar. Natürlich. Ich vergaß. Vielleicht kommt da nämlich noch etwas besseres, nicht wahr? Vielleicht aber auch eben nicht. Schon mal darüber nachgedacht?

Glauben wir wirklich ernsthaft daran, dass jeder gerne wartet und sein Leben nach einer Möglichkeit plant?
Sich nicht festlegen wollen: Ich denke, es gibt nichts, was mehr zeigt, wie wichtig eine andere Person für dich ist: Nur wenn es nämlich gerade passend ist, keinen Stress macht und nichts anderes oder besseres zu tun gibt! Bloß nicht zu viel Zeit investieren, nä? Könnte ja verschwendet werden. Oder noch schlimmer – man könnte ja enttäuscht werden.

Wo würden wir eigentlich hinkommen, wenn wir alle das Gleiche denken würden?
Glauben, dass es ständig und überall noch etwas Besseres zu finden gibt, worauf es sich lohnt zu warten? Angst davor hätten, unsere kostbare Zeit und Energie zu verschwenden? Was wäre, wenn wir dieses „vielleicht“ alle und ständig denken würden?

Dieses „vielleicht“ kann einfach alles bedeuten. Von Fremde bleiben, zu Freunde werden bis hin zu einer Liebe werden. Und es kann vor allem eins: Keine Freundschaften halten, keine Distanz überwinden. Nicht für jemanden da sein und nicht sein persönliches Glück finden.

Wenn uns dieses eine kleine Wort also immer wichtiger sein wird, als eine Entscheidung zu treffen, verpassen wir auch gleichzeitig die Chance, uns näher zu kommen. Uns fallen zu lassen und anzukommen. Bei den richtigen Personen. In den richtigen Momenten.

 

wie Nike sagen würde: Just do it! 

Vielleicht warte ich noch morgen ab.
Vielleicht beschwere ich mich über die andere Person, damit ich selbst am Ende doch nicht viel ändern muss.
Vielleicht wechsle ich lieber den Ort, die Beziehung und den Beruf, wenn es schwierig wird.
Vielleicht gehe ich lieber Dingen aus den Weg, bei dem die Konsequenzen nicht absehbar sind.
Vielleicht ist auch einfach alles gut so, wie es ist.
Vielleicht bleibe ich dran.
Vielleicht weiß ich, was ich will, aber der Weg ist mir zu anstrengend.
Vielleicht weiß ich nicht, was ich will und wälze jede Verantwortung auf andere ab. Vielleicht entscheide ich mich nie wirklich – nicht für die Frau, den Mann, den Job, die Kinder, den Neuanfang, das Singleleben, die Reise, den Liebeskummer oder für das eigene verdammte Leben.

Also triff’ doch mal die Entscheidung.
Geh’ mit der Person aus.
Bleib’ über Nacht.
Sag’ einfach „ja ich habe Bock auf dich und nein ich muss vorher nicht erst alle anderen abchecken, um mir sicher zu sein“!

Lasst uns schreiben, telefonieren, treffen. Verbindlich werden. Uns „ja“ sagen zum Singleleben und zum Date. Zur Beziehung und zur Liebe.
Lasst uns endlich wieder mehr Zeit schaffen, all das überhaupt erst möglich zu machen. Freundschaften zu pflegen und in Beziehungen zu investieren.

Können wir also mal bitte anfangen, wieder mehr „ja“ zu sagen und zu machen?
„Nein“ zu sagen und sich daran auch zu halten?
Das Leben wirklich anzugehen und nicht nur ständig abzuwarten?
Sich zu entscheiden und mit all den Folgen umzugehen?

Keiner will die zweite Wahl sein. Ich bin mir sicher, umgekehrt möchtest du das genauso wenig. Vorausgesetzt du bist dir mal bei etwas sicher. Und mutig genug, dir das einzugestehen.

 

Vielleicht.

Ein Wort, das uns davon abhält, eine Richtung zu wählen und einen Weg zu gehen.
Ein Wort, das uns davon abhält, zu etwas und zu jemandem zu stehen.

Ja, das klingt gut. So viel besser. Ist irgendwie so angenehm unkompliziert. In Wahrheit macht es aber einiges so verdammt kompliziert!

Ich glaube, einige von uns sind irgendwie irgendwo falsch abgebogen.
Bei all diesen vielen Möglichkeiten und Freiheiten, die unsere Generation dankbarerweise so hat. Es ist ein „wir müssen uns gar nicht festlegen oder entscheiden“ geworden.

Jedes Date, jede Freundschaft, jeder neue Schritt muss gar nicht wirklich angegangen werden. Nur halbwegs. Halbherzig. Nie mit einer wirklichen Entscheidung, immer mit einem „schauen wir mal“ verbunden.

Mit diesem einen kleinen offenen Hintertürchen.
Doch pass’ auf. Dass hinter dir nichts kommt und dir deine Türe verschließt.
Weil manche Türen sich nicht mehr öffnen lassen.
Und sich für immer verschließen werden.
Einzig und allein, weil jemand anderes seine Chance ergriffen hat, als sie da war. Und du nicht.

Kommentar verfassen