Meine dunklen Tage

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Thoughts

Ich schaue auf die Uhr – es ist kurz vor 18 Uhr. Ich spüre Erleichertung, freue mich darüber. Zumindest ein bisschen. Denke nicht darüber nach, was ich in den letzten acht, neun oder zehn Stunden hätte alles machen können. Dinge, die mich definitiv glücklicher machen. Oder mir zumindest ein richtiges Lächeln auf die Lippen zaubern können. Ein weiterer verschwendeter Tag neigt sich dem Ende zu. Es ärgert mich, dass ich verschwendet sagen muss. Ich freue mich aber einfach nur, es geschafft zu haben. Das muss reichen. Es ist das Maximale an Emotionen, was ich in diesem Moment aufbringen kann. Ich stelle das Telefon auf die Hotline um. „Gott sei Dank“, denk ich mir. Ich hasse dieses Ding.

Ich melde mich vom Computer ab, ziehe meine Jacke an, schnapp’ mir meine Tasche und verlasse den Raum. Wie oft ich schon diesen elendigen Gang gelaufen bin? „Zu oft“, schießt es mir sofort in den Kopf und ich muss kurz schmunzeln. Es ist ein verzweifeltes Schmunzeln. Eine Selbstironie, die mir hilft, den Kopf nicht hängen zu lassen. Ich bin dafür bekannt, positiv zu denken. „Hat alles einen Sinn“, versuche ich mich daran zu erinnern. Richtung Ausgang merke ich, die Post auf dem Schreibtisch vergessen zu haben. Ich muss umdrehen. Und eins…zwei…drei. „Oh ne ey, ich kotz’ ab.“ Ich verfluche mein Leben. Bin genervt. Wütend. In Wirklichkeit würde Enttäuschung über mich selbst am besten passen. Oder Hilflosigkeit über meine derzeitige Situation?

Ich mache innerlich drei Kreuze während ich das Piepen meines Chips beim Verlassen des Gebäudes höre. Ich laufe zum Auto. „Hoffentlich heute nicht schon wieder einen Strafzettel“, geht mir durch den Kopf und merke wie schlecht gelaunt ich bin. Es ist fast dunkel, die Dämmerung ist eingetroffen. Heute war ein unfassbar sonnniger Frühlingstag. Der Abendhimmel zeigt sich jetzt von seiner besten Seite. Sonnenuntergang. Rosafarbene Wolken; Vogelgezwitscher. Der Weg zum Parkplatz tut mir gut. Freiheit. Ich hole bewusst Luft. Atme tief ein und wieder aus. Ich bin froh, dass ich die letzten Stunden hinter mir lassen kann. „Kein Strafzettel. Glück gehabt“, stelle ich beim Ankommen auf dem Parkplatz fest und steige ins Auto. Musik an. Es hilft mir letztendlich immer wieder auf bessere Gedanken zu kommen.

Zu Hause angekommen stelle ich meine Tasche auf dem Boden, ziehe die Schuhe und Jacke aus. „Jogginghose. Wo verdammt nochmal ist meine Jogginghose?“ Kein Wunder, dass ich sie bei dem Chaos nicht finde. Ich sollte dringend aufräumen. Und mein Geschirr spülen. „Ob meine Tasse unter den Tellern schon Schimmel hat?“ Ich steuere ohne lange zu überlegen direkt auf meinen Sessel zu. Schmeiß‘ sofort den Fernseher an. Gewohnheit, das mache ich schon immer so. Vermutlich, weil ich die Stille nicht ertrage. Ich nehme das Handy zur Hand. Ich weiß, dass ich hier viel zu lange sitzen werde. Halt, ich korrigiere. Ich weiß, dass ich hier viel zu lange liegen oder eher herumlungern werde. Mal wieder. Wie halt fast jeden Tag nach der Arbeit.

Ich öffne Instagram. Es langweilt mich. Ich erinnere mich an Zeiten, wo ich stündlich die App so lange heruntergescrollt bin, bis ich alle neue Bilder vom Tag gesehen habe. Ich war süchtig. Welches süße Couplegoal Bild wohl diesmal Alexis Ren und Jay Alvarrez hochgeladen haben? Ich freue mich auf ein neues Outfit von Kenza und hey, hat eigentlich Kayla ein neues Update von ihren Bauchmuskeln hochgeladen?

Heute öffne ich Instagram und es erschlägt mich. Caro Daur hat den Mann meiner heimlichen Träume Ian Sommerhalder getroffen, hängt mindestens dreimal auf meinem Weg zur Arbeit auf großen Plakaten mit ihrer eigenen Strumpfhosen Kollektion, lief dreimal für Dolce & Gabbana und bringt bei MAC ihren eigenen Lippenstift raus. Novalanalove Farina sitzt gerade mit ihrer Mutter gesponsert auf den Malediven, wo ein Cocktail nach ihr benannt wurde. Pamela hat gestern ihr eigenes Buch herausgebracht und Debi wird zusammen mit ihrem Freund von den heftigsten Luxushotels zu den schönsten Orten auf dieser Welt eingeladen.

Ich öffne Instagram und ja, zur Hölle mit dieser App. Es erschlägt mich. Mich wundert es nicht mehr, dass heutzutage Menschen Depressionen von Social Media bekommen.

Ist das übrigens der Moment, wo Karl Lagerfeld Recht hat? Man hat die Kontrolle über sein Leben verloren, wenn man Jogginghosen trägt? Ich bin froh, wenn ich einmal in der Woche ein Outfit trage, welches #ootd-tauglich wäre. Im Moment könnte ich eher Werbung für die neue Lidl Kollektion machen. Dafür müsste ich jedoch geschminkt sein. „Wann habe ich mich eigentlich das letzte Mal geschminkt? Letzten Samstag?“ Ich merke, dass es über zwei Wochen her sein muss. Das dürfte auch erklären, warum ich so lange kein Bild mehr auf Instagram hochgeladen habe. Ciao Algorithmus!
Es macht mich traurig, wie wenig ich aus meiner Reichweite gemacht habe. Wie wenig ich mich darum gekümmert habe und Instagram es mich anhand der Zahlen hat spüren lassen. Und auch immer noch spüren lässt. Ich versuche nicht daran zu denken, wie viel Potenzial mein Account zu seinen besten Zeiten vor zwei Jahren gehabt hat. Was ich alles daraus hätte machen können. Würde ich jetzt in diesem Moment dann auch einen gesponserten Traumurlaub in der Karibik genießen? Oder meinen gesamten Lebenunterhalts mit Bildern auf Instagram und Bloggen finanzieren? Ich will Gleichgültigkeit spüren. Es sind nur Zahlen. Zahlen, die jedoch dafür sorgen können, das zu tun, was du liebst. In meinem Fall zumindest. Ohne diese Zahlen gäbe es keine Kooperationen, Einladungen oder Möglichkeiten. Keine Blogger, die vom Schreiben und Fotografieren leben könnten. Ich merke, wie unzufrieden ich bin. Mit meinem Tag. Meiner Arbeit. Mit meiner scheiß Gesamtsituation.

Was mich auf der einen Seite motiviert, setzt mich auf der anderen Seite unter Druck. Mithalten wollen. Zumindest was die Häufigkeit des Contents angeht. „Du musst schreiben. Ohne Fleiß keinen Preis.“ Gute Blogger laden im besten Falle jeden Tag einen neuen Beitrag hoch. Mit Mehrwert. Spannend. Innovativ. Inspirierend.
Ich weiß, ich könnte mithalten, die Liste meiner Ideen nehmen kein Ende. Ich will so viel loswerden, über so vieles schreiben, erzählen und berichten.
Ich schnappe mir mein Macbook und öffne ein leeres Dokument. In mir ist so viel und es kommt einfach nichts raus. Ich lasse es bleiben. Schon wieder. Enttäuschung. Wo ist meine Disziplin? Mein Wille? Warum gehe ich so wenig meiner Leidenschaft nach? Ich finde schnell eine Antwort. Lasse mir mein schlechtes Gewissen von der Tatsache „ich hätte nun mal einen Vollzeitjob, was viele nicht haben“ besänftigen. Ich war schon immer gut im Ausreden finden. Glückwunsch Janine. Sei stolz auf dich. Nicht.

Wann war der Moment gekommen, wo mein Alltag seine Farbe verliert? Wo alles grau scheint und ich Dinge, für die meine Leidenschaft brennt, vernachlässige? Ich mich von meinen Verpflichtungen und To-Do’s erdrückt fühle? Wann war also verdammt nochmal der Moment gekommen, wo mein Alltag mir alles abverlangt und nichts zurückgibt?

Ich werde in der Social Media Welt von oberflächlichen anscheinenden Traumleben nur so überschüttet. Kein Wunder, fühlt sich mein Leben plötzlich schlecht an. Alle leben ihr Leben. Erreichen mehr. Genießen mehr. Erleben mehr.

Mittlerweile bin ich in meinem Sessel verschwunden. Möchte mich unter der Decke verkriechen.„Blogger-Neid“, geht mir durch den Kopf. Menschen, die mit ihrem Blog, ihrer Leidenschaft leben können. Viele auch wirklich vollkommen zurecht. Sie machen es genau richtig. Sind so gut. So beliebt. So fleißig. Und auch wenn ich mit meinem Blog Erfolg spüre, fühlt sich meine Arbeit daneben wie richtig schlechte B-Ware an. Zwar nicht komplett für die Mülltonne, aber in etwa so Crème de la Crème wie Spiegelei und Tetrapack Sangria im 5-Sterne-Restaurant.

Genervt. Genervt vom Vergleich mit Anderen:
Andere haben mehr drauf als ich. Hauen mehr auf die Kacke, gehen größere Risiken ein, schöpfen die Suppe des Lebens mit einer überdimensionalen Kelle. Und ich? Ich sitze hier auf meinem Sessel und nehme den kleinen Teelöffel. Obwohl Stäbchen es noch besser treffen würde.
„Oh man, als ob der Tag nicht schon schlimm genug gewesen wäre.“ Seufzen. Ich erinnere mich wieder. An die unhöflichen Telefongespräche. Kundenbeschwerden. Den Berg voller Arbeit. Das Desinteresse. Ich erinnere mich wieder an meinen langweiligen Büroalltag, der mich ausbremst. In meinen Möglichkeiten. Der mir meine Energie zu rauben scheint. Ich will das nicht!

Das Erschreckende? Ich habe diese Tage oft. Nicht täglich, aber oft.
Manchmal bin ich glücklich. Froh über die Tatsache, ein geregeltes Arbeitsleben zu haben. Keine Selbstständigkeit. Routine. Nine to Five.
Und manchmal bin ich unglücklich. Traurig über die Tatsache, ein geregeltes Arbeitsleben zu haben. Keine Selbstständigkeit. Routine. Nine to Five.

Ich vergleiche mich. Wir alle vergleichen uns. Ordnen uns als soziales Lebewesen über diesem und unter jenem ein, finden dadurch unseren anscheinenden Platz in dieser Welt oder verlieren dadurch unser Selbstwertgefühl. Oder zumindest das Gefühl eines erfüllenden Lebens.
Wir Menschen, zugegebenermaßen auch ich, sind aber nicht gut darin, realisitische Vergleiche zu ziehen. Das resultierende Ergebnis sieht wie folgt aus: Neid. Und das Gefühl, versagt zu haben. Es nagt an uns. Es frisst uns auf – von innen, wie ein mieser hungriger kleiner Pacman!

Ich komme von dem Gedanken „Blogger-Neid“ nicht los. Ich weiß, es ist kein destruktiver Neid, bei dem es mir selbst nicht nur besser, sondern dem Beneideten auch schlechter gehen soll. Nur  an Tagen wie diesen gibt es mir einfach kein gutes Gefühl. Echt nicht.
Es kommt im Fernsehen gute Zeiten schlechte Zeiten. Wow, schon eine Stunde vergangen. Verschwendung. Ich frage mich, wie ich mich von solchen Gedanken und Gefühlen befreien soll. Und ich finde Antworten. Mein erstes Erfolgserlebnis für heute. Ich fühle mich tatsächlich besser.

Ich habe mich also gefragt:

Vergleiche ich mein Innen mit einem Außen?

Wir können nicht wissen, was in anderen vorgeht. Nicht mal bei unseren Partnern. Ein Gedanke, der mich wirklich etwas befreien lässt. Im Endeffekt sehe ich eine gold glitzernde Welt von Jemanden, ohne die Ahnung zu haben, wie es in ihm überhaupt ausschaut. Wir können nicht wissen, wie glücklich und verliebt Alexis und Jay waren (mittlerweile ja wieder getrennt…just saying). Wie leicht es für Pamela ist, solche Bauchmuskeln zu haben und halten. Wir können auch nicht wissen, wie entspannend es wirklich ist, so viele Länder zu bereisen wie eine Debi. All das sehen wir nicht. Ist das Ganze wirklich so wie es wirkt? Wir wissen nicht, ob sich andere erfolgreich fühlen oder voller Ängste, Sorgen und Probleme sind. Keine Ruhe finden, Dinge verstecken, sich selbst nicht lieben oder ihr Leben sogar verfluchen. Wie viel vom strahlenden Grinsen mit dem neuen Outfit ist gestellt? Wie viel ist von diesem kurzen Ausschnitt, den wir zu Gesicht bekommen ist echt?
Ein schönes Leben hat man nur, wenn man es auch fühlt. Du und ich, wir beide können niemals, wirklich niemals wissen, ob das beim Anderen der Fall ist!

Würde ich auch das Gesamtpaket nehmen?

Ich möchte bitte das 24/7 Reisen, aber ohne Jetlags, das ständige Fliegen und wenige Sehen meiner Liebsten. Ich möchte gerne den Körper, aber ohne die disziplinerte Ernährung und den Schweiß. Ich möchte mein Gesicht auf einem Magazin-Cover, aber nicht die Hände fremder Menschen am Hintern, die den Ton in dieser Branche angeben. Den Bekanntheitsgrad, aber nicht die mit ihm vernichtete Privatsphäre. Ganz wichtig. Hell no, bitte nicht!

Tja und was all unsere Berufe im Nachhinein gemeinsam haben:
Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Große Blogger müssen ständig perfekt aussehen, haben so gut wie nie Freizeit und hetzen von einem Termin zu anderem. Selbstständigkeit ist auch nicht ganz ohne. Was auf Bildern aussieht wie ein traumhaftes Leben hat genauso seine Schattenseiten wie mein oder dein Beruf. Sehe ich mir also das Gesamtpaket an, steckt oft mehr Schein als Sein dahinter.

Was genau wünsche ich mir für mich und was kann ich von dem Anderen etwas lernen?

Stelle ich jedoch fest, dass die Schattenseiten vom Anderen mir lieber wären als meine, kommt Neid auf. Natürlich bin ich neidisch, wenn ich tagtäglich zu sehen bekomme, womit Blogger ihr Geld verdienen. Wohin sie reisen und welche Möglichkeiten ihnen gewährt werden. Doch Neid zeigt mir vor allem eines und ist wichtig für meine persönliche Weiterentwicklung:

Dass eines meiner Bedürfnisse nicht erfüllt ist. Ein Bedürfnis, welches mir anscheinend viel bedeutet. Neid als Spiegel benutzen. Oftmals sind wir auf die Personen neidisch, die uns ähnlich sind. Die etwas ausleben oder haben, was in uns schlummert. Der Neid zeigt mir tatsächlich meinen Weg. Und im Endeffekt motiviert mich das ja doch.

Natürlich kann ich von Anderen etwas lernen, doch sollte ich mich nicht viel mehr auf meinen Weg konzentieren? Oder darauf, wie weit ich schon vorangekommen bin? Ich erwische mich, wie ich mich viel mehr darauf fokussiere, was noch vor mir liegt. Ich vergesse das. Nehme meine Fortschritte und kleinen Erfolge für selbstverständlich hin. Tage wie heute haben ihre guten Seiten. Ich werde immer mal wieder Selbstzweifel haben, mein Leben verfluchen, Tiefs erleben und Rückschritte einkassieren. Ich habe Ängste und Sorgen. Wie jeder im Leben. Auch Menschen, die ihrer Leidenschaft nachgehen haben diese. Doch keiner hat dieselbe Funktion im System. Wir sind Individuen. Das bedeutet, es ist umöglich und vollkommen sinnfrei, wenn wir uns mit anderen Menschen vergleichen. Wir tun das Beste, wenn wir unsere ganz individuelle Aufgabe und Rolle ausleben.

Ich weiß nicht, wer oder was es für dich ist:

die ehemaligen Schulkameraden, die irgendwie an dir vorbeiziehen zu scheinen;

die Bekannten, die gefühlt schon die ganze Welt gesehen haben, während du auf Balkonien auf Sonnenschein hoffst;

die beste Freundin, die immer schlanker und fitter wird, während bei dir höchtens der BMI große Sprünge nach oben macht;

oder auch eben Bloggerinnen, die anscheinend mit perfekten gestylten Haaren aufwachen (#wokeuplikethis) und ihr Leben voll im Griff haben, während dich morgens der fünfte Wecker aus dem Bett schmeißt und du beim Blick in den Spiegel denkst, optisch die Hauptrolle von „Bahnhof am Zoo“ spielen zu können.

Ja, ich bin mir sicher, jeder von uns kennt wohl dieses Gefühl, im Leben hinterherzuhängen. Man bekommt dieses Gefühl, man müsse dringend aufholen, angreifen.

Ich schaue der Realität ins Auge. Immer noch sitzend auf dem Sessel. Wie vorhergesagt mit Nichtstun. In dieser Zeit hätte ich locker etwas schreiben können.
„Ich bin nicht gut genug für das Bloggen“, zweifelt es sofort. Dabei brauche ich vermutlich in dem Moment eins mehr als alles andere:

Die Erlaubnis, jetzt genau da zu sein, wo ich eben gerade bin.

Im Endeffekt hänge ich einer Fantasie hinterher, wo ich angeblich sein und was ich erreicht haben sollte. Eine Fantasie, die selbstverständlich wichtig ist, um sich Ziele zu setzen und zu erreichen. Gar keine Frage. Aber das Leben lenkt uns mal in die eine Richtung, dann in die andere. Lehrt uns Dinge nach seinem und nicht immer nach unserem Lehrplan. Ich bin ein Mensch. Mit Schwächen. Kein verfickter Roboter! Ich bin ein Mensch, der diese Tage braucht, an denen ich nach (zu) vielen Stunden Arbeit daheim einfach nur da sitze und mal eben keine Kraft habe, um der Leidenschaft nachzugehen. Dessen Wille manchmal nur im Traum existiert, aber in der Realität nicht sichtbar ist. Ich kann meine Motivation nicht nach Belieben aufdrehen, indem ich an meiner Brustwarze schraube. Das kann ich echt nicht.

Es wird mir wieder bewusst, dass ich eigentlich vielen ein Stück voraus bin. Ich weiß, worin ich mich sehe, was meine Stärken sind und ich tun möchte. Ich stelle mir also erneut die Frage, ob ich meinem Leben hinterherhänge. Tue ich das denn, nur weil Dinge gerade nicht so glücklich laufen wie sie könnten? Vieles können wir nicht von heute auf morgen verändern, beschleunigen oder erzwingen. Vielleicht muss die Idee zu unserer Geschichte, die wir schreiben wollen, erst noch weiter in uns wachsen. Vielleicht habe ich mit meinem Beruf noch nicht das gefunden, was zu mir passt. Muss mich noch mehr mit mir selbst beschäftigen, bevor ich bereit bin. Bereit bin, meinen Platz in der Arbeitswelt zu finden. Der mich erfüllt und Zufriedenheit in mir weckt.

Ich hänge dem Leben nicht hinterher. Du hängst deinem Leben nicht hinterher. Einzig und allein an sinnlosen Vergleichen mit Menschen in anderen Situationen. Wir hängen an den Worten „sollte“, „hätte“, „könnte“ und „würde“ fest. Der Konjunktiv ist unser Glückes Feind! Wo wir anfangen nur in Möglichkeiten und Vergleichen zu denken, endet irgendwo auch gleichzeitig unsere Zufriedenheit.
Hey, weißt du was? Erlauben wir uns heute doch mal, dort zu sein, wo wir gerade sind. Auch wenn es noch nicht da ist, wo wir uns sehen. Ich bin mir sicher, wenn die Zeit reif ist, wird das passieren, was auch passieren soll! Versuchen wir, das Gute in unserem Leben zu umarmen, ohne dabei hinter seinem Rücken nach dem Perfekten zu schielen.
„Ich werde schon noch meinen Weg finden“, sage ich mir und stehe vom Sessel auf. Ich fange an aufzuräumen. Ist wirklich nötig!

Ich schaue auf die Uhr – es ist kurz vor 21 Uhr. Ich spüre Erleichertung. Irgendwie ist es doch okay, dunkle Tage zu haben.

6 Antworten

  1. Eva
    | Antworten

    Liebe Jani Isa,

    vielen Dank für Deinen schönen und aufrichtigen Beitrag, Deine Erkenntnisse haben mich sehr berührt und teile ich.

    Mir persönlich hat vor allem gefallen, wie differenziert Du das Gefühl Neid herausgearbeitet hast, Neid ist passé nämlich tatsächlich nichts Negatives, sondern ein kostbarer Wegweiser zu etwas, das einem wichtig ist und das noch ausgebaut werden will.

    Ich habe kürzlich einen tollen Podcast von Christian Bischoff gehört, in dem er sagt, dass es im Grunde genommen überhaupt nicht schlau ist, sich immer eine Vision der besten Version seiner selbst zu machen, denn dadurch wird das jetzige Selbst abgewertet, was wiederum nur dazu führt, dass negative und abwertenden Gefühle gegen das Selbst erzeugt wird, Druck erzeugt Gegendruck und raubt unnötig Energie.
    Um dieser Negativspirale zu entkommen, empfiehlt er, sich in jedem Moment folgende hypothetische Frage zu stellen: „angenommen ich würde mich selbst durch und durch lieben, wie würde ich mich dann jetzt entscheiden“. Ich finde diese Formel wunderbar hilfreich, gerade wenn sich das Leben nicht so prall anfühlt und sich einige „dunkle Tage“ aneinander reihen.

    Dein Abschlussplädoyer „erlauben wir uns heute doch mal dort zu sein, wo wir gerade sind…..wenn die Zeit reif ist, wird das passieren, was auch passieren soll“ finde ich wunderschön, weise und versöhnlich.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Mensch zu jeder Zeit sein Bestes gibt, niemand will sich absichtlich schaden.

    Liebe Grüße

    von einer Karlsruherin, quasi aus der Nachbarschaft

    • Jani Isa
      | Antworten

      oh wow, vielen lieben Dank für deinen schönen Kommentar und dein Feedback! 🙂 Hat mich gerade sehr gefreut zu lesen! <3
      Liebe Grüße zurück!

  2. Lisa
    | Antworten

    Sehr wahrer Text – bei diesen Gedanken und dem Neid erwische ich mich auch manchmal. Aber das einzusehen und zu wissen das man etwas ändern kann, bzw. Über seine lebensvorstellungen nachzudenken ist enorm wichtig!
    Dein schreibstil ist so, so toll! Danke für diesen post ❤️

  3. Melisa
    | Antworten

    Wow wieder ein toller Beitrag *-*
    ich kann das alles sowas von nachvollziehen..ich quäle mich oft überhaupt zur Arbeit zu gehen und denke daran, wie andere jetzt irgendwo chillen oder Urlaub machen. Oft gehe ich nach Feierabend total geschafft nachhause und mache GARNIX mehr, dann kommt es mir auch wie ein verschwendeter Tag vor..Wenn ich dann die ganzen Blogger auf Instagram sehe, werde ich neidisch und ja auch leicht deppressiv..
    Dann frage ich mich so oft will ich diesen Job ein lebenlang machen? oder will ich dieses Leben wirklich so leben?
    Aber was sein muss, muss sein..Wir brauchen alle das Geld.

    Also ich fühle mit dir.

  4. Nina-Maria Unterberger
    | Antworten

    Danke für diesen tollen Artikel!! Du sprichst mir aus der Seele, ich hatte vor kurzer Zeit genau das gleiche Problem – man ertappt sich immer wieder wo man sich mit anderen vergleicht und ihr Leben als perfekt und super geregelt ansieht…doch innerlich sind sie vielleicht gar nicht so und zeigen es aus nicht! Im Gegensatz zu DIR – du kannst es zugeben, dass nicht jeder Tag perfekt ist sondern es auch einfach mal schlechte Tage gibt!
    Vielen lieben DANK 🙂 du schreibst wirklich richtig gut!!!

    • Jani Isa
      | Antworten

      Ohhhhh was für ein schönes Feedback, vielen lieben Dank für deine Zeit! 🙂 freut mich ungemein zu lesen! Danke.

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